Seite auswählen

Beyond Gender

Konzept: Paulina Tsvetanova

Fotos: Antonio Castello

Make-Up: Benedikta Ársælsdóttir

Androgyn, unisex, gay, transgender – ein totaler Hype. Die Trans- Ästhetik ist sehr angesagt und ist in viele Gesellschaftsschichten neben der Modebranche bereits eingedrungen. Transgender Celebrities, Models, Performance Künstlerinnen gibt es inzwischen zuhauf. Wohl wieder nur ein Tend? Lässt sich Identität vom Geschlecht und der sexuellen Orientierung her bestimmen? Verändert Mode das eigene Gender-Empfinden? Lassen wir uns nicht viel zu sehr über Genderrollen definieren? Hilft uns Mode auf der Suche nach der ureigenen, sogar nach einer neuen Identität? Hat unsere persönliche Identität überhaupt mit Gender und Sexualität zu tun?

Diese Fotostrecke ist das Ergebnis eines Fotoshootings. Die Modelle haben sich auf eine Ausschreibung hin beworben. Sie richtete sich ursprünglich an Transgender, Intersexuelle, Bisexuelle, Homosexuelle, Heterosexuelle, an alle, die ihre Identität unabhängig von ihrem Geschlecht oder Sexualorientierung sehen und sich entsprechend (ver)kleiden. Es sind Portraits entstanden, die starke Persönlichkeiten jenseits des Geschlechts zeigen, die von ihren authentischen Geschichten geprägt wurden.

Mit diesem anspruchsvollen Projekt möchten wir einen Rahmen für den spielerischen Umgang mit Gender-Stereotypen liefern. Wir treten bewusst aus der normativen Genderbalance aus und stellen unsere klassische Wahrnehmung der Geschlechteridentitäten in Frage. Das Ziel ist nicht nur die gesellschaftliche Akzeptanz und Gleichstellung von Menschen, die zwischen den Geschlechtern leben, zu fördern. Vielmehr geht es um Freiheit, Entfaltung, Mut und Bekenntnis zur eigenen Essenz.

Es gibt so viele Gender, wie es Personen gibt. Die eigene Gender-Palette ist frei, wie unser Lifestyle. Wir können tagtäglich unsere persönliche Gender-Identität kreieren und neu entdecken. Durch Mode zum Beispiel: Mode verwandelt und befreit. Mode existiert unabhängig von Geschlechteridentitäten. Paulina’s Friends zelebriert Schönheit und Identität jenseits von Genderdefinitionen, mentalen Schranken und Vorbehalten. Sogar jenseits von Fashion & Lifestyle. Am Ende des Tages zählt der Mensch und seine Persönlichkeit.

Zum Projekt Beyond Gender findet eine Fotoausstellung 12.10. – 6.11. in der Concept Galerie PAULINA’S FRIENDS statt. Eröffnung am Donnerstag, den 12.10, 18-21 Uhr.

Darüber hinaus erscheint ein Printkatalog mit persönlichen Statements der Portraitierten!

Vielen Dank auch an Gabi Becker für den Dokumentationsfilm Making of Beyond Gender:

 

Und hier eine Auswahl der entstandenen Portraits (sowohl Fotoprints, als auch Aufnahmen im Katalog sind verschieden!)

 

Dass ein Mann maskulin zu sein hat, um ein wahrer Mann zu sein, und eine attraktive Frau feminin – das ist soooo altes Denken! Was bedeuten diese Eigenschaften? Sie sind der Oberbegriff für das Männliche und Weibliche schlechthin. Die Zuordnung fällt leicht: zielgerichtet und durchsetzungsfähig versus gefühlvoll und sinnlich? Alles klar? Es ist höchste Zeit, diese Schubladen aufziehen und gehörig durchzumischen. Wir alle haben alles in uns. In unserer jeweilig eigenen und einzigartigen Ausprägung. Kombiniert mit unseren Gefühlen wird das Spektrum der menschlichen Eigenschaften damit schier endlos. Die Herausforderung ist, aus den starren, gesellschaftlichen Vorstellungen herauszutreten und für sich selbst herauszufinden, wer und was ich bin. Also: wo habe ich Ideen über mein Mann- oder Frau- SEIN aufgenommen, die nicht zu mir passen? Wie kann ich nur noch das leben, was ich wirklich bin? Das Konzept des Universums beruht auf Ausdehnung und Auflösung. Auch wenn wir es vergessen haben, aber wir sind Teil davon. Ich bin sicher, was immer uns kreiert hat, wollte ein so vielfältiges und unerschöpfliches Spektrum wie möglich um sich auszudrücken, ja, auch mit allen möglichen Arten sexueller Orientierung. Wenn wir mit Stoffen und Mode spielen, drücken wir uns aus – unbewusst und bekommen damit einen Zugang zu unserem wahren Sein. BEYOND GENDER spielt genau mit dieser Idee. Die Freude am Sein, unabhängig von Geschlecht und Ausrichtung. Viele Menschen sind heute der Ansicht, dass es so etwas wie „männliche“ und „weibliche“ Qualitäten gar nicht gibt. Man kann diese Weltsicht ja in Form der Gender-Studies sogar studieren. Aus spiritueller Sicht ist eine Seele geschlechtslos und ein heiler Mensch hat beide Pole in sich selbst verwirklicht und in Balance gebracht – eine Frau also auch stark und ein Mann auch hingebungsvoll. Inwiefern ist das Spiel mit der Polarität also wirklich nur ein Spiel und inwiefern Ausdruck unseres essentiellen Wesens?

Gabi Becker, Moderatorin, Journalistin, Künstlerin

DAS LETZTE ABENDMAHL – eine theatralische Inszenierung