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Birgit Maaß

Birgit Maaß

Die Grenzen der Wahrnehmung

Birgit Maaß schließt in ihrer Kunst jenen eindeutigen Körper aus, dessen Grenzen von innen und außen klar definiert sind. Stattdessen fragt sie nach der Qualität seiner Begrenzung in Form von Haut, Haar, Kleidung und Raum. Diese „Häute“ lotet sie in ihrer Ambivalenz aus, indem sie diese von Anfang an als Passagen begreift, die zwischen Öffnung und Abgrenzung, zwischen Verlockung und Befremdung oszillieren. In dieses Spannungsfeld sind ihre Artefakte eingeschrieben. Die Werke der Serie Absence (2012) und Aufbruch (2012) veranschaulichen das Paradox von visueller Verführung und ästhetischem Schrecken zugleich. Die Arbeiten wirken auf den ersten Blick wie zarte grafische Zeichnungen, die entrückt unter einem ephemeren Schleier liegen. Bei näherer Betrachtung sieht man jedoch, dass die feinen Linien lange schwarze Haare sind, die sich unter einer hellen Paraffinschicht befinden. Zudem ist diese Schicht in der Serie Aufbruch (2012) inhomogen über den Bildträger verteilt, so dass der Blick partiell noch unvermittelter auf die Haare freigegeben wird. Dieses Wissen der Verwendung von Echthaar erzeugt sofort ein Gefühl des Unbehagens, da Haare in unserer Gesellschaft, sind sie nicht von uns selbst oder von einem uns nahe stehenden Menschen, sofort als das intime Überbleibsel eines abwesenden Menschen betrachtet werden. Der Titel Absence (2012) verweist auf diese Leerstelle.
Andrea-Katharina Schraepler, Kunsthistorikerin M.A.

www.birgitmaass.de/