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w e i s s ... über den tod hinaus

w e i s s ... über den tod hinaus

Dem Tod würdevoll begegnen

Unsere »letzten Dinge« müssen nicht beliebig sein, sondern können bewusst gestaltet werden. w e i s s … über den tod hinaus bietet von Künstlern entworfene, zeitgemäß gestaltete und gefertigte Särge, Urnen und Trauerschmuck und eine einfühlsame und künstlerisch kompetente Beratung zu allen Themen der Abschiedskunst.

www.lydiagastroph.de

Die Schönheit der letzten Dinge

von Lydia Gastroph

Im Alter von 17 Jahren war ich das erste Mal in meinem Leben bei einer Beerdigung. Eine Klassenkameradin war an Leukämie gestorben. Meine Erinnerung an diese Bestattung ist zwiespältig. Ihr Sarg sah aus, wie aus der Zeit gefallen: Schwere, dunkle Eiche, rustikal, mit massiven Messingbeschlägen, ein hässliches Monstrum, das so gar nichts mit meiner Freundin zu hatte. Der Anblick irritierte mich und blieb mir im Gedächtnis haften. Zweieinhalb Jahrzehnte später rückte erneut ein sehr emotionales, persönliches Erlebnis den Zustand unserer Bestattungskultur ins Zentrum meiner Beobachtungen. Eine Freundin starb mit 34 Jahren an Krebs, ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes. Selbst gerade erst Mutter geworden, begleitete ich sie bis zum Schluss im Hospiz. Eine wesentliche Erfahrung aus dieser Zeit ist, dass das Lebensende genauso intensiv und schön sein kann wie eine Geburt. Auch diese Freundin wurde in einem hässlichen Eichensarg bestattet, der ihrer Person völlig unangemessen war. Ich hatte mittlerweile an der Münchner Kunstakademie Schmuckdesign und Goldschmiedekunst studiert und eine erfolgreiche Schmuckmanufaktur gegründet und mir drängten sich verschiedene Fragen auf: Gibt es in unserer Kultur tatsächlich nichts, was den Tod, das Abschiednehmen und die Beerdigung zu etwas macht, das den Gestorbenen und den Angehörigen gerecht wird? Müssen unsere „letzten Dinge“ so beliebig sein? Sollten sie nicht vielmehr bewusst gestaltet werden? Die Idee einer von Grund auf zu erneuernden Trauerkultur setzte sich in mir fest. Wie sich das gestalterische Defizit beim letzten Abschied beheben lässt, zeigte mir dann wenig später der Sarg, den die Innenarchitektin und Schreinerin Lene Jünger für ihren Vater schreinerte: Schlicht, modern, schön. Gemeinsam mit ihr gründete ich 2010 „w e i s s … über den tod hinaus“: von namhaften KünstlerInnen entworfene Artefakte – Särge, Urnen und Trauerschmuck auf höchstem künstlerischem und handwerklichem Niveau, so gestaltet, dass sie sich als Möbel oder Gefäße harmonisch in ein modernes Wohnumfeld integrieren lassen. Der Gedanke, die Ausstellungen mit Lesungen, Vorträgen und Konzerten zu ergänzen, lag nahe. Es folgten Einladungen in Galerien, Kirchen und Hospizen. Schon im Rahmen dieser Veranstaltungen wurde mir bewusst, dass viele Menschen das Wissen über die Rituale des Abschieds verloren haben oder in Frage stellen. Die Unsicherheit im Umgang mit den „letzten Dingen“, die Angst davor, war mit Händen zu greifen. Aber dass ich schließlich Bestatterin wurde lag am Wunsch meiner jüngeren Schwester.