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Florian Filtzinger, Projekt- und Eventmanager & Gründer des Projektspaces Garten 114, Geschäftspartner von PAULINA’S FRIENDS.

 

Florian ist ein junger, energischer, umtriebiger Kerl. Er ist sensibel, schlau, solide, unternehmungslustig. Manchmal gern auch kritisch, da er konsequent und kompromislos für die Gerechtigkeit in der Welt kämpft. Florian kam an einem dunklen Winterabend „zufällig“ in den Serendipity Store PAULINA’S FRIENDS rein, zusammen mit seinem Mann Mayk. Ein wundervolles Paar. Aus dieser kurzen flüchtigen Begegnung entwickelte sich eine tiefe Freundschaft und die Fortsetzung davon ist die künftige Kooperation unserer beiden Agenturen. 

 

Lieber Florian, erzähl uns ein wenig über Deinen beruflichen Hintergrund.

Schon in der Schulzeit begann ich mit der Gastronomie und Veranstaltungssszene erste Berührungen zu haben, und ich dieser fand ich mich auch in Berlin direkt wieder. Von feinen Adressen bis zu mehreren Jahren im alten White Trash Fast Food und verschiedensten Events im Nachtleben – ich habe Anfang meiner Zwanziger alle Leidenschaften ausgelebt 🙂

Ich entscheid mich dann doch zu studieren, doch die Theorie allein reichte mir nicht und so kam ich schon im Studium (Publizistik und Kommunikationswissenschaften) in die Organisation des Berliner CSD, damals als Werksstudent. Von dort wurden die Veranstaltungen, an denen ich mitarbeitete, immer mehr und auch vielfältiger. Dem Nachtleben wurde ich dann etwas müde, also habe ich mich mehr auf Produktionsleitungen in der Kunstproduktion und dem spirituellen/alternativen Bereich konzentriert. Und das mache ich bis heute!

Wie bist Du nach Berlin gekommen?

Mit einer großen Sehnsucht, oder – nennen wir es lieber einen Durst – ich habe mein Abitur in Mainz gemacht und spürte schon damals, das die behütete Welt im Rhein-Main-Gebiet für mich nicht groß genug sein würde. Ich habe nach dem Abschluss meine Tasche gepackt und bin erst mal in Spanien wandern gewesen, den Jakobsweg, um mir der Entscheidung sicher zu sein ob ich weg gehe, und wenn ja, wohin. Berlin kam mir damals wie die beste Wahl vor – und das bestätigt sich bis heute.

Was ist die Aufgabe Deiner Eventagentur und das, was Dich von anderen Agenturen unterscheidet?

Ich arbeite hauptsächlich mit sozialen, künstlerischen und spirituellen Institutionen und Menschen, ich finde in der Arbeit hier mehr Tiefe. Natürlich habe ich nach wie vor auch große Corporate Kunden, mit denen ich gerne arbeite – aber meine Heimat sind nicht mehr CEO Dinner und elitäre Feiern für ein paar wenige. Lange Zeit habe ich dieses Klientel bedient und viel gelernt. Meine Mission ist heute eine andere: ich möchte die Arbeit von sozialen/spirituellen Projekten professionalisieren und im Gegenzug die harsche Convention Szene wieder etwas mehr beseelen und bewusster zu gestalten – beide können sehr viel voneinander lernen.

 

CSD Berlin

 

Du bist für den Berliner CSD e.V. sehr engagiert. Was mir als Hetero so manchmal in Berlin auffällt – man kämpft hier, wo die Toleranz eigentlich am Größten ist/sein sollte, am meisten laut gegen jegliche Diskriminierungsformen. Eigentlich versteht sich die homosexuelle Gleichberechtigung ja von selbst. Also sollten Siegessäule & Co. keine exotischen Schubladen mehr sein …oder?

Leider scheint es in unserer Natur zu liegen, uns mehr auf Unterscheide statt Gemeinsamkeiten zu konzentrieren, zumindest in der „Natur“ die Gesellschaft und Wirtschaft uns momentan vorgeben.

Für mich ist das Leben als schwuler Mann (und verheirateter obendrein mittlerweile) so selbstverständlich, ich schaue das selbst aus einer Blase hinaus… Und der von Dir angesprochene Kampf: klar ist der hier in Berlin am lautesten, denn Du findest ja die meisten Gleichgesinnten! Allerdings findest Du hier auch eine hohe Konzentration an Gegenkräften, die eben versucht uns in der Schublade zu halten.

 

 

Was muss sich in der Welt in der Hinsicht dringend noch ändern?

Der gesamte Fokus muss zurück gehen auf das, was uns eint, nicht das, was uns teilt. Letzteres verkauft sich leider nur so viel besser…

Du bist insgesamt sehr sozial engagiert, beispielsweise für Menschen mit Behinderung?

Ja, mit einem Kollegen treibe ich z.B. seit Jahren voran, das der CSD Berlin für alle Menschen zugänglich ist – und zwar in angemessenen Rahmen. Wer möchte sich in einem Rollstuhl durch tausende Demonstranten drängen – diese Barriere zum Beispiel nehmen wir mit Rollstuhlpodesten entlang der Demostrecke, um allen einen angemessenen Zugang und gleiche Plattform zu bieten. Ich glaube das erst wenn wir jeden in unsere Mitte holen, wir den Weg in die Mitte schaffen werden.

 

 

Du warst paar Jahre in der Organisation der Alternative Fashion Week involviert? Was ist Dein Eindruck von der Berliner Modeszene?

Ich bin damals ganz bewusst in die Produktion der Alternative Fashion Week eingestiegen, nicht in die andere. Das UFO „Beliner Fashion Week“ das hier so landet, hat für mich nichts mit der Satdt und ihren Leuten zu tun. An der BAFW konnte ich mich mit dem ButtomUp Prinzip identifizieren: jungen Designern eine angemessene Plattform bieten, bevor die „Großen“ deren Ideen umsetzen und als ihre verkaufen.

 

Im Moment machst Du eine Ausbildung zum Somatiker? Deine Motivation dafür? Was kann man danach mit so was anfangen?

Ich bin mitten in der Ausbildung, ja – der Hintergrund ist die Arbeit an neuen Modellen für die Konferenz- und Messewelt.

Ich glaube andere Konzepte sind möglich, bei denen weggegangen wird von der Überforderung von Menschen. Somatik ist hierzu einer der Ansätze, die ich in meine Arbeit und Agentur einbringen möchte. Den Menschen wieder als ganzes betrachten und Möglichkeiten finden, die Verschwendung von Ressourcen, nicht nur finanziell, sondern eben auch menschlich und zeitlich, hinter uns zu lassen.

 

 

Was versprichst Du Dir von der künftigen Kooperation mit PAULINA’S FRIENDS?

Ich freue mich sehr auf die Kooperation, ich habe so viele Künstler und Projekte, mit denen ich arbeite die immer wieder auf der Suche nach Räumen sind. Und vor allem in Berlin-Mitte ist es ein Unding geworden, bezahlbare Räume für Projekte zu finden.

Deswegen bin ich unwahrscheinlich gespannt auf die Zusammenarbeit und die Arbeit im „Garten114“. Hier ein kleiner Absatz zu dem, was hinter dem neuen Space steckt: Garten114 ist eine neue Galerie & Projektraum in Berlin Mitte. Der Name Garten ist nicht nur der Lage geschuldet, sondern soll explizit an einen Ort erinnern, an dem junge Ideen und Talente wachsen können und präsentiert werden – oft gemeinsam mit bereits etablierten Künstlern. Wir verschreiben uns der Präsentation von Kunst verschiedener Genres sowie der Nutzung des Raumes als Präsentationsfläche für alternative Kulturen. Unser Programm umfasst Ausstellungen, Lesungen, Workshops und bietet sich auch Interessenten zur Nutzung an, die den harsch bewirtschafteten Raum Berlin-Mitte beleben möchten.“

Vielen Dank, lieber Florian, für die schönen Zeilen. Wir freuen uns auf viele spannende Projekte mit Dir in der Garten114!