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Street Religion – das „total package“ Kreativ-Studio

Ein Interview mit Jochen Stuible und Svenja Müller, Inhaber des Berliner Labels für visuelle Kultur & Videografie Street Religion

Text: Paulina Tsvetanova

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Lieber Jochen, liebe Svenja, wie sollte man Eure Agentur Street Religion am besten beschreiben?

Wir sind ein junges und hungriges Videografen Duo, auf der Suche nach kreativen Herausforderungen hauptsächlich in der Fashion-Szene. Wir lieben die Arbeit mit kreativen Menschen, von denen wir uns für jedes einzelne Projekt inspirieren lassen können. Unsere Herzen schlagen für Fashion Filme, aber auch für Musikvideos, Setcard-Videos für Models oder kurze Dokumentationen über die Künstler von nebenan. Wir sind das Kreativ Studio für Kreative!

Was ist Eure Unternehmensphilosophie?

Alles aus einer Hand. Wir sind das “total package” im Film-Bereich. Wir entwickeln die Idee, filmen, schneiden, bearbeiten und produzieren individuell für jedes Projekt einen Soundtrack – bei uns gibt es keine 0815-Stock-Musik. Dass wir „nur“ zu zweit sind, sehen wir nicht als Nachteil, sondern als Garantie für den Kunden, dass alles unseren Qualitätsansprüchen entspricht. Wir arbeiten täglich an neuen Ideen und Projekten für unsere Kunden, aber auch für uns selbst.

Wann habt Ihr gegründet und was war das Ausschlaggebende für die Entscheidung, sich selbständig zu machen?

Selbst als wir noch in Agenturen gearbeitet haben, arbeiteten wir schon nebenher an eigenen Projekten. Als wir uns dann im November 2015 auf eine Weltreise begeben hatten und in dieser Zeit auch viele Projekte gemeinsam erarbeiteten, war uns klar, dass wir nicht mehr in einen „normalen“ Berufsalltag zurück möchten. Street Religion gibt es schon seit 2014, ganz offiziell als Street Religion Berlin seit Anfang 2016.

Woher kommt der Name, gibt es eine besondere persönliche Geschichte dahinter?

Den Namen hat Jochen bereits 2014 spontan in der Dusche entwickelt. Damals wollten wir noch einen urbanen Design/Travel Blog machen. Dieser Blog nahm aber nie wirklich Gestalt an. Wir haben von 2014 bis 2015 maximal drei Beiträge veröffentlicht und waren mit dem 100.000sten Blog in dem Bereich auch nicht wirklich motiviert „durchzustarten“.

Als wir dann vor und auf der Reise unseren Projekten einen Namen geben sollten, waren wir für all unsere Freunde eh schon als Street Religion bekannt und eine Web-Domain war ebenfalls schon vorhanden. Somit war klar: Wir nennen unser Studio Street Religion.

Ist Design Eure Religion? 🙂

Jein. Ein Glaubensbekenntnis abzulegen und damit alle anderen „Religionen“ für uns auszuschließen, fällt uns etwas schwer. Aber wir denken, wir können unterschreiben, dass wir für Design leben. Wir lieben Designersachen – von Apple Produkten bis hin zu Grafik Design Plakaten und ja, wir nörgeln auch gerne über schlechte Typografie in einer Menükarte in einem Restaurant. Auf unserer Webseite beschreiben wir das Ganze noch etwas genauer. Hier bezeichnen wir sogar auch Menschen wie Helmut Newton oder Jean-Michel Basquiat als unsere Propheten. Jochen beschäftigt sich aber auch gerne mit anderen „traditionellen“ Religionen.

Jochen findet es wichtig, sich mit spirituellen Themen zu beschäftigen, das erklärt für ihn viele Konflikte in unserer Zeit, aber auch in uns selbst. Zudem findet er es gerade als Designer wichtig, dass man sich so viel Wissen wie nur möglich aneignet. Denn ein Designer muss wissen, was er tut. Die Symbolik in allen Weltreligionen ist sehr interessant und man sollte diese als Designer stets kennen, um Provokationen zu vermeiden oder heraufzubeschwören.

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Euer Leistungsportfolio umfasst…

Fashion Filme, Musikvideos, Model- / Setcard-Videos, Café / Bar Promotion, Corporate Videos, Kurz-Dokumentationen, Behind The Scenes / Making Of, Event Filme, Werbung, Social-Media-Content, Animations Clips, Animierte Infografiken, Animierte Logos. Und alles andere, was schön ist!

Erzählt uns ein wenig über Euren Background und beruflichen Werdegang?

Nachdem wir (Svenja in Koblenz und Jochen in Bietigheim-Bissingen) die Schule abgeschlossen hatten und uns noch gar nicht kannten, haben wir uns beide für verschiedene Kommunikationsdesign-Studiengänge beworben. Wir beide wurden damals abgelehnt. Jochen konnte sich aber einen Studienplatz an der DHBW Ravensburg im Bereich Mediendesign sichern. Svenja ist erst einmal für einzige Zeit nach London gegangen, bis sie sich ein Jahr später auch für das duale Studium entschlossen hatte, wo wir uns dann letztendlich kennengelernt haben. Nach drei Jahren dualem Studium, vier verschiedenen Wohnorten und drei Agenturen, haben wir beide eine Reise um die Welt gemacht – die beste Entscheidung, die wir hätten treffen können. Danach sind wir dann dieses Jahr zusammen nach Berlin gezogen, um der Modeszene so nah wie möglich zu sein. Aus heutiger Sicht sind die damaligen Absagen der Hochschulen natürlich unser Segen, weil wir uns sonst nie kennengelernt hätten. Zudem musste wohl schon jeder große Designer oder Künstler Ablehnung einstecken können und ist daran gewachsen.

Was sollte man aus Eurer Sicht am Mediendesign-Studium verbessern?

Das Mediendesign Studium an der DHBW hat uns beiden sehr viel gebracht. Wir hatten eine Menge Spaß und haben unglaublich viel gelernt. Das einzige, was wir uns gewünscht hätten, was aber an anderen Unis auch nicht wirklich vermittelt wird, ist, dass man nahezu gar nicht auf eine mögliche Selbstständigkeit oder eine Tätigkeit als Freelancer vorbereitet wird. Statistisch gesehen, ist die Berufsgruppe „Designer“ eine der führenden in der freiberuflichen bzw. selbstständigen Karrierelaufbahn. Man könnte dadurch vielen Studenten den Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben erleichtern.

Wie sieht Euer Alltag aus?

Nahezu wie bei jedem anderen auch. Wir arbeiten, essen, schlafen und freuen uns in unserer Freizeit über Kino-, Bar oder Kulturbesuche.

Wie schafft Ihr als Paar eine gesunde Balance zwischen Privat- und Berufsleben?

Man muss den richtigen Partner haben. Auf unserer Weltreise haben wir Tag und Nacht miteinander verbracht. Wenn man sich danach nicht trennt, übersteht man alles gemeinsam. Und ganz wichtig: Man muss miteinander streiten können und es danach schaffen, sich wieder zu versöhnen. Wer nicht miteinander streiten kann, kann auch nicht zusammen arbeiten.

Lebt Ihr mit Street Religion Euren Lebenstraum? Ist Street Religion Eure Berufung?

Dafür ist es zu früh. Frag uns nochmal, wenn wir 70 sind.

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Welche Tätigkeiten machen Euch am meisten Spaß, welche sind/waren bisher Eure Herausforderungen?

Projekte mit Kunden, die uns vertrauen, machen am meisten Spaß. Kunden, die wissen, was wir drauf haben und dass wir gute Arbeit für einen fairen Preis anbieten. Unsere größte Herausforderung ist es, diese Kunden zu finden. Wir möchten keinem Kunden „unser Ding“ aufzwingen, wir möchten Kunden-Beziehungen schaffen, die bleiben. Mit Freunden macht man schließlich die besten Projekte.

Erzählt uns ein wenig etwas über Eure Kunden…

Unsere Kunden sind meist junge und kreative Unternehmen, die wissen, dass wir mit unserer Arbeit nah am Zeitgeist sind. Wir arbeiten für Kunden aus der Fashion-Szene, aber auch für Musiker, Künstler, Barbesitzer, Cafés oder ab und zu auch für ein Unternehmen aus der Wirtschaft. Wir sind offen für jedes Projekt und es stellt sich meistens ganz schnell raus, ob man zusammen passt oder nicht.

Welche Vertriebskanäle nutzt Ihr, um Kunden zu akquirieren?

80% digital – 10% persönlich – 10% Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir sind aber auch keine Akquise Monster. Wir wünschen uns für die Zukunft viel mehr Kollaborationen und starke Partner, mit denen man ein Netzwerk aufbauen kann, als kalte Akquise betreiben zu müssen.

Ihr komponiert ja für jeden Kunden nicht nur maßgeschneiderte Filme /Videos, sondern auch besondere Musik? Ist das Euer Alleinstellungsmerkmal?

Ja! Neben „Alles aus einer Hand“ ist es das! Die Musik spielt in einem Video eine zentrale und wichtige Rolle, was viele Leute leider unterschätzen und irgendeine Stock-Musik unter ihr teuer produziertes Video legen. Wir können mit unserer musikalischen Arbeit noch eine weitere Ebene für den Kunden und auch für den Betrachter öffnen. Wenn wir beispielsweise etwas für einen Modedesigner filmen, der Ketten designt, dann können wir die Geräusche der Ketten aufnehmen und in sein Projekt einarbeiten. So hat sein Design sogar das Sounddesign mitkreiert. Ziemlich cool, oder?

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Was tut Ihr, um Euch von der Generation Blogger abzuheben?

Nichts! Wir sind zwar ein Kreativ-Studio, aber wir sind auch eine Art Blogger. Wir nutzen Instagram und Snapchat wie verrückt. Zudem haben wir erst vor kurzem wieder einen Blog auf unsere Seite integriert. Dort findet man Episoden von unserer Videoreihe „Street+Berlin“, in der wir Galerien und Events in Berlin besuchen, die sich mit den Themen Design, Mode oder Kunst beschäftigen. Im Jahr 2016 hat man so viele Möglichkeiten seine Marke zu erweitern und für den Kunden interessant zu machen, da kann man nicht einfach still sitzen!

Wenn Ihr einen Kurzfilm über Berlin drehen würdet, wie würde er aussehen?

Wahrscheinlich irgendetwas mit einem fluchenden Fahrradfahrer. Die gibt’s hier überall. Fahrradfahrer sind verrückt in Berlin und sie kennen keinen Spaß.

Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?

Nette und inspirierende Kunden, die ihre Marke genauso lieben, wie wir Street Religion. Kunden, mit denen wir unsere Euphorie für gute Videos teilen und kreative Projekte auf die Beine stellen können. Street Religion soll ein bekannter Name in der Kreativ-Welt werden.

Ganz lieben Dank für das schöne Interview, Ihr Lieben!

Vielen Dank für das nette Interview!