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Interview mit Kim Hyeon Ji anlässlich ihrer Einzelausstellung bei PAULINA’S FRIENDS „The Boundary of Perception“ (10.10.- 24.10)

Liebe Hyeon Ji, du bist das erste Mal in Deutschland. Hast Du einen Kulturschock bekommen?

Nein, überhaupt nicht (Lacht), ich hatte keinen Kulturschock, ich fühle mich hier sehr wohl, fast wie zuhause in Korea.

Was ist Dein Eindruck von dem Land & der Stadt Berlin und den Menschen?

Ich habe den Eindruck, Deutsche haben im Allgemeinen ein großes Interesse an Kunst und sie sind neugierig darauf, Kunstwerke besser kennenzulernen. Es war für mich motivierend zu erfahren, wie aufmerksam das Publikum auf meine Arbeiten schaute und mir zu meinen Arbeiten Fragen stellte. Da dachte ich, Deutschland ist ein Land, wo Künstlerinnen und Künstler einen gewissen Stolz auf ihre Arbeit entwickeln dürfen und können.

Hast Du Dir selbst das Land aussuchen dürfen? Warum ausgerechnet Berlin?

Ich habe durch die Medien erfahren, dass Deutschland, und da besonders Berlin, wo mehr als 500 Galerien ansässig sein sollen, eine gute Infrastruktur für die „Kunstproduktion haben soll. Außerdem dachte ich, hier in Berlin, wohin so viele Künstler aus der ganzen Welt kommen und arbeiten, kann ich aktuelle Trends der internationalen Kunstszene kennenlernen.

Der Titel Deiner aktuellen Ausstellung lautet „The Boundary of Perception…..oder wenn ein Papier deine Sinneswahrnehmung irritiert….“ Was stellst Du für Arbeiten aus? Welche Besonderheiten weisen sie auf?

Durch meine Arbeiten möchte ich ein Moment der inneren Reflektion, der Wahrnehmung der Zeit visualisieren. Sowohl der Künstler als auch der Betrachter, der sich mit der Arbeit konfrontiert, befinden sich in einer Zeitlichkeit, dieser Moment der Begegnung kann kurzweilig oder von einer langen Dauer sein. Ich wollte dem Publikum ein Moment der Reflektion anbieten, der die Grenze zwischen dem Inneren und Äußeren sichtbar macht. Um das zu visualisieren, habe ich das Material verwendet, dessen Oberfläche viel Reflektion hergibt und zugleich auf der Oberfläche konzentrische Kreise dargestellt. Ich habe versucht, durch die reflektierende Oberfläche das Äußere des Betrachters wahrnehmbar zu machen, und gleichzeitig habe ich mir gewünscht, dass sie die Betrachter entlang der kreisende Bewegung ein Moment Zeit nehmen, über die Zeit nachzudenken. Die Arbeit Afterimage basiert auf dem gleichen Prinzip der Zeitlichkeit. Indem ich die Papierbahnen von der Leinwand reiße, bleiben nur der Abdruck des Moments des Zerreißens, der von Zeit und Raum bedingt ist.

Gibt es besondere Gründe, warum du Hanji als künstlerisches Mittel hauptsächlich verwendest? Erzähl uns ein wenig mehr über das Hanji (das koreanische Papier) und Deine spezielle Arbeitstechnik damit.

Der Grund, warum ich das Hanji, Koreanisches Papier als Medium gewählt habe, ist der, dass ich mit dem Material vertraut bin. Hanji ist in meiner Umgebung und in meinem Alltag immer präsent, ein Material, was mich immer begleitet hat. Hanji wird ist Maulbeerbaumpapier, das durch mehrmalige Kochen und Zerreißen gewonnen wird. Dadurch weist Hanji anders als normales Papier lange Faser auf, die sehr zäh und erweiterbar sind. Dieser Charakter von Hanji begünstigt den Prozess der Verdrehung des Papiers zu einem Faden. Ich entscheide mich ganz intuitiv, wie viel Papierfäden addiert und in Kreisform weiter gewickelt wird.

Dein Verhältnis zur Farbe?

Die Farbe in meiner Arbeit bedeutet für mich ein Nachbild. Ich glaube, jedes Abbild von Zeit und Raum hat eine Farbe. Die Farbe ist ein „Abdruck der Zeitlichkeit und meiner persönlichen Wahrnehmung über den Ort.

Deine Arbeiten sind sehr poetisch. Sie visualisieren oft einen Wassertropfen? Hast Du ein besonderes Verhältnis zum Wasser als Element?

Das Bild der in Bewegung gesetzten Wasseroberfläche gab mir den entscheidenden Anstoß für meine Kreisdarstellungen. Beim Betrachten des Wassers hatte ich das Gefühl, mich auf mein Inneres zu konzentrieren. Zugleich motiviert es mich, über die Grenze zwischen Inneren und Äußeren nachzudenken.

Wie soll es weitergehen? Hast du schon Pläne?

Bisher war ich auf flache Arbeiten konzentriert. Aber ich möchte in Zukunft installative Arbeiten realisieren. Außerdem möchte ich meine künstlerische Perspektive vergrößern, und mich in vielfältigen Bereichen entwickeln.

Liebe Hyeon Ji, vielen Dank für das Gespräch!