Gebabbelt mit: Store-Inhaberin

Gebabbelt mit: Store-Inhaberin

Text: Anna Köhler / SALON STORIES

 

© by Miriam Künzli 

Es war wieder einer dieser derb kalten Tage in Berlin, als ich vorletztes Wochenende rund um den Ku`Damm unterwegs war. Auf Bummeln bei schneidigem Wind hatte ich keine Lust, also stattete ich spontan dem Bikini Berlin mal wieder einen Besuch ab. Um Store Inhaberin Paulina zu treffen.

Jeder, der schon einmal in dieser Concept Mall war, kennt sicherlich diese spannenden Pop-Up-Stores, die in hölzernen Ladenkonstruktionen beziehungsweise Boxen zu finden sind. Mein eigentliches Ziel war ein kurzer Stopp auf einen Cappuccino in einem der kleinen Cafés, als mir beim Vorbeilaufen ein äußerst interessant bestückter Kleiderständer in einem der Stores auffiel. Ich wittere Vintage schon aus 100 Metern Entfernung und mein Instinkt hat mich mal wieder nicht getäuscht. Ich stolperte in den schönen Concept Store PAULINA’S FRIENDS von Paulina Tsvetanova, in dem ich nicht nur fantastische Vintage-Stücke, sondern auch spannende Kunst fand. Hach, mein Herz flatterte und Paulina und ich versanken sehr schnell (zum Leidwesen meines Göttergatten, der die Lage nicht erkannte und seine Zeit irrend im Bikini vertrödelte) in ein laaaanges Gespräch über das Aufstöbern von Vintage in Paris, die Kunstwelt, Berlin, Berliner und Frankfurter und über die Tatsache, dass die Welt ein verrücktes Dorf ist.

Das Konzept von PAULINA’S FRIENDS ist einfach genial und ich muss sagen, dass ich die liebenswerte Store-Inhaberin Paulina wirklich darum beneide, dass sie ihren Traum von der Selbstständigkeit mit einem eigenen Concept Store wahrgemacht. Solche Ideen sind der Grund, warum ich in Zeiten von Online-Shopping trotzdem noch gerne auf die Suche nach individuellen Geschäften offline gehe.

 

Ich und Berlin Pop Up Store Paulina´s Friends im Bikini Berlin by Siegfried Purschke (Axel Springer)

© by Siegfried Purschke (Axel Springer)


Liebe Paulina, erzähle doch einmal von Deinem Store-Konzept. Was ist die Idee dahinter?
Der Store ist die erste Berliner Concept Galerie – eine Mischung zwischen Kunstgalerie & Concept Store. Wir bauen Brücken zwischen allen Kunst- und Designgattungen. Von bildender Kunst (Malerei, Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Video, Mixed Media) über angewandte Kunst & Design (Schmuckkunst, Keramik, Glas, Textil, Interior, Produktdesign) bis hin zu exklusiver Vintage-Designer-Mode reicht das ausgefallene, extravagante Sortiment. Alle Exponate sind ausschließlich handgefertigte Unikate, also es gibt keine zwei gleichen Teile im Laden. Der Laden ist eine Wunderkammer zum Verweilen, Inspirieren, Stöbern, Sammeln. Die Präsentation lebt vom dynamischen Wechsel und den ständigen Überraschungseffekten.

Wie hat sich die Idee für den Mix aus Vintage und Kunst entwickelt? Gab es so etwas wie einen „Aha-„Moment?Eigentlich nicht. Oder doch, eher war der Aha-Moment die Frage was ich liebe, was mich erfüllt. Eine schrille, ungewöhnliche Mischung sollte es unbedingt sein. Vintage habe ich immer geliebt, gesammelt, getragen, bewundert. Und mit Kunst habe ich zu tun seitdem ich auf dieser Welt bin…

Du hast Deinen Pop-Up-Store mitten im Bikini Berlin. War es schwer in Berlin geeignete Räume zu finden bzw. wie hat es sich ergeben, dass Du gleich eine so tolle Location gefunden hast?
Es war relativ herausfordernd, ja. In einer Großstadt mit Tausenden von Facetten im Voraus abzuschätzen, wo meine Zielgruppe tatsächlich ist. Und dann sollte es ein Ort mit Laufkundschaft sein, der bezahlbar ist, und ohne Bindung an mehrjährigen Verträgen. So kam ich über GoPopUp auf die Idee, zunächst einmal einen temporären Raum anzumieten um das Konzept zu testen. Bikini Berlin ist die Concept Mall in Berlin schlechthin, und dabei sehr touristisch und beliebt als Flanierort. Das soll jedoch nur der Anfang sein.

Wie schätzt Du die Konkurrenz in Berlin ein? Ist dort Vintage ein so großes Thema wie zum Beispiel in London, wo es ganze Straßenzüge mit Vintage-Läden gibt?
Ja, auch in Berlin gibt es viele Läden, die Vintage-Mode verkaufen. Aber niveauvoll sind die wenigsten. Außerdem gibt es solang keinen Store, der meine Mischung von ausgefallenen Produkten anbietet. Vintage-Mode im Umfeld der Kunst auszustellen, zu inszenieren, zu kuratieren. Das Historische mit dem Zeitgenössischen, das Klassische mit dem Futuristischen…

Paulina im Laden Bikini Haus
© by PAULINAS FRIENDS

Was hast Du für Kundschaft? Sammler? Fashionistas? Eher Berliner oder eher Touristen?
Ganz unterschiedlich – grundsätzlich 60 % Touristen, 40 % Westberliner in etwa. Manchmal kaufen bei mir aber auch Leute ein, die ich mir nie im Leben als Kunden ausmalen würde. Es sind meist Intellektuelle, Gutverdiener, international, aufgeschlossen, 90 % Frauen. Ich hatte aber auch Studentinnen, die nicht unbedingt einkommensstark sind, oder Senioren aus der ehemaligen DDR. Entscheidend ist, dass man sich in ein gewisses Exponat verliebt – dann spielt Verdienst, Geschmack, Herkunft, Alter etc. keine Rolle.

Wo findest Du Deine Vintage-Schätze? Wo die passende Kunst etc.?
Ich muss sie tatsächlich lange suchen – meistens kaufe ich in Paris auf bestimmten „marché aux puces“ ein, manchmal bei Etsy, manchmal in kleinen versteckten Vintage-Geschäften in Berlin. London wird ein nächstes Einkaufsziel sein, Du hast mich definitiv für das Clerkenwellvintage Fashion Fair begeistert, liebe Anna! Kunst- und Design ist bei mir Kommissionsware – ich leihe sie mir von streng selektierten Kreativen aus, denen ich auf meiner bisherigen beruflichen Laufbahn begegnet bin.

Ich habe bei meinem Besuch in Deinem Store Schätze von Labels wie Kenzo, YSL oder Prada gesehen. Wie selektierst Du beim Einkauf Deiner Vintage-Stücke bzw. was muss ein Stück haben, damit es bis in Deinen Store schafft?
Es sollte möglichst aus den 30-90 Jahren stammen. Extravagant, einmaliger Schnitt, lebensfrohe Farben, Muster, künstlerisch, handverlesen, rar. Die Stücke wollen einfach zu mir. Ich erkenne sie auf meiner „Suche“, und das Ganze bezeichne ich dann als glücklicher Zufall (serendipity). Man kann darüber stundenlang diskutieren, wie man den Zufall dermaßen „systematisieren“ kann, dass man auf Dinge trifft, die für einen bestimmt sind. Und dabei überlässt man alles dem Zufall oder besser gesagt der glücklichen Fügung!

Was war das erste Vintage-Stück, das Du für Deinen Store gefunden hast?
Eine maßgeschneiderte knallbunte Jacke, entstanden in den 90-er Jahren nach einer meiner Kindheitszeichnungen. Meine Zwillingsschwester hatte die gleiche, bloß mit spiegelverkehrten Farben. Wir sind im Doppelpack durch die Straßen gelaufen und man hat uns hierher gepfiffen „Welcome to the circus“ 🙂 Diese Jacke ist übrigens das beliebteste Stück im Laden bisher, doch immer noch nicht verkauft, komisch, oder?! Vielleicht sollte ich diese wieder tragen.

Du bist studierte Kunsthistorikerin, hast Dich dann aber entschieden, deinen Traum vom eigenen Geschäft umzusetzen. Wer hat Dich unterstützt, oder hast Du Dich alleine durch den Dschungel von Existenzgründungsseminaren, Finanzierung und Co. Geschlagen?
Nachdem ich meinen letzten festangestellten Job (Leitung Marketing & Vertrieb bei einem Magazin für Kunst & Design) gekündigt hatte, blieben mir genau 6 Monate Zeit für die Gründung von PAULINA’S FRIENDS. Einen Gründerzuschuss oder Bankkredit habe ich nicht bekommen, im Nachhinein bin ich aber froh drüber, sonst hätte ich nicht so schnell meine Vision realisiert. Nach zwei Beratungen in der Gründerinnenzentrale und beim Kulturförderpunkt, sowie einem intensiven Existenzgründerseminar wurde mir klar, dass ich vieles schon ganz intuitiv richtig gemacht habe. Hätte ich mir Sorgen um die Finanzierung, Liquidität, Gewerberäumlichkeiten etc. gemacht, hätte ich es nie gewagt.

Was rätst Du anderen, die auch einen Laden eröffnen oder sich selbstständig machen wollen? Einfach machen, nicht lange darüber nachdenken und sich in Risiken verlieren. Fragt Euch was Ihr wirklich liebt und bei welcher Tätigkeit Ihr Eure Talente und Fähigkeiten 100 % entfalten könnt. Vielleicht sind es mehrere Tätigkeiten, dann kann man sie verbinden und daraus eine Geschäftsidee basteln.

Im Januar ist die Finisage Deines Po-Up-Stores. Was planst Du anschließend?
Nach einer spektakulären Modeschau werden wir nach Berlin-Mitte in feste Räumlichkeiten umziehen.

Vielen Dank, liebe Paulina, für das spannende Interview und ich freue mich schon jetzt auf meinen nächsten Besuch bei Dir!!

Weitere Infos über SALON STORIES:
www: http://salon-stories.de/
Instagram: https://www.instagram.com/salonstories_blog/
Facebook: https://www.facebook.com/salonstoriesblog/

Paulina's Friends Box im Bikini Berlin
© by Bikini Berlin

 

Paulina's Friends Kunst Mode Design Box im Bikini Berlin
© by Bikini Berlin 

 

Paulina's Friends Kunst Mode Design Box im Bikini Berlin

© by Siegfried Purschke (Axel Springer)

 

Paulina's Friends Kunst Mode Design Box im Bikini Berlin
© by Siegfried Purschke (Axel Springer)

Paulina's Friends Kunst Mode Design Box im Bikini Berlin
© by Siegfried Purschke (Axel Springer)

 

Paulina's Friends Kunst Mode Design Box im Bikini Berlin
© by PAULINAS FRIENDS

 

Für eine Vintage- und Kunstbroschüre wurden spannende Persönlichkeiten mit den Vintage-Stücken an besonderen Orten in Szene gesetzt:

 

Paulina's Friends Kunst Mode Design Box im Bikini Berlin
Stéphanie Höfler, Conservateur an der Bibliothèque Nationale de France
in der Sophienkirche und in einem 70er-Jahre-Kleid
© by Anka Bardeleben für PAULINA’S FRIENDS

 

Surimaya Hartmann, Referentin für Kulturpolitik bei der
Konrad-Adenauer-Stiftung am Haus Schwarzenberg in einer Traumweste
von KENZO (#ichsolltemichdochaufgrösse36hungern)
© by Anka Bardeleben für PAULINA’S FRIENDS

 

Aranay Maldonado Sainz, Schülerin und Model, in einem
Oberteil von Roberto Cavalli © by Anka Bardeleben für PAULINA’S FRIENDS

 

Magali Diallo, Marketing-Studentin, an der East Side Gallery und in
einem 60er-Vintage-Kostüm und einem ETRO-Blazer
© by Anka Bardeleben für PAULINA’S FRIENDS

United

United

Text: Ebru Özyürek

Zu einer Zeit, wo man mehr auf Grenzen zugeweist wird, fallen die Gemeinsamkeiten in eine viel zu kleine Sparte. Doch diese Welt ist zum Teilen da, dabei soll das Wort teilen nicht als Grenzeinteilung gelten. Ein friedvolles Miteinander mit gegenseitigem Respekt erschafft man nicht durch Wände oder Worte, die Mauern zwischen unsere Herzen bauen und uns mehr von einander wegreisen, diese Art bedeutet sich zu verstumpfen und sich zu isolieren. Unsere Welt besteht nicht aus einfachen grauen Plattenbauten. Sie besteht aus der Fülle, die wie ihr geben! Es ist ganz egal, woher, welche Religion, welches Geschlecht, welche Herkunft, es zählt was du in dir trägst und die Art wie du das in die Welt ausstrahlst, denn dass verbindet und erschafft uns! Wir bestimmen, ob wir uns verbinden, wie wir miteinander kommunizieren und miteinander leben. Die Einheit bilden wir. Wir können bestimmen, ob wir uns erkenntlich geben, ob wir uns tarnend als Chameleon in eine Safaritour geben möchten oder ob wir wirklich zeigen wer wir sind und uns öffnen. Zeit in Versteckspiele investieren oder gleich zeigen wer man wirklich ist? Wenn man das von seinem tiefsten Inneren tut, traut man sich etwas, man geht aus seiner Sicherheitsschale raus und möchte sich für eine Verbindung öffnen. Die Überzeugung auf seine Gefühle zu bauen, baut Brücken zueinander. Es bedeutet den Mut zu beweisen, teilzunehmen an seiner Umgebung, sich von den Knalleffekten inspirieren zu lassen und seiner Neugier freien Lauf zu geben. Eine Welt ohne Kontraste, schwarz-weiß ohne jegliche Effekte zwischen uns, wirken auf mich wie ein Stillstand, eine leere Symbiose, wie ein Bild ohne Inhalt. Respekt, Toleranz, Akzeptanz, Neugier, Offenheit, Mut, Freude – das erzeugt die Verbindung, auf die wir uns mehr stützen sollten, keine Angst, kein Rückgang, kein Hass. Vereinigung wir uns, setzten wir uns für uns ein! Baut keine Mauern auf, sondern Liebe.

UNITED Jacke & Leinwanddrucke „Knalleffekte“ @ Paulina´s Friends im Bikini Berlin!

 
 
 
 

Vision, Kreation & Fotografie: Ebru Özyürek

Model: Andy Jerez

Location: East Side Gallery

Mehr unter: http://visionary-eyecatcha.blogspot.de/

 
Wir machen es. Wir RoCen Berlin

Wir machen es. Wir RoCen Berlin

 

Martin Fritz ist Visionär, Magazinmacher und Herausgeber.

Seit drei Jahren ist er in Berlin. Seit drei Jahren arbeitet er in der Hauptstadt als Herausgeber von „LUST AUF GUT“, ein Magazin zum „Loben und Ausloben“ von Für-Sprechern, Machern und Unternehmen für all die, die Freude am GUTen haben. Sein Konzept nennt er „unwerbliche” Werbung für das Gute und Soziale. „LUST AUF GUT“ ist für ihn eine Frage der Haltung.

Interview: Paulina Tsvetanova

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Hallo Martin, Du arbeitest für LUST AUF GUT. Euer Stadt-Magazin gibt es mittlerweile in mehr als 21 Städten, aktuell habt ihr schon 79. Stadt-Magazin publiziert. Drei bereits in Berlin. Jeweils mit einer Auflage von ca. 10.000 Exemplaren. Was verstehst du unter „gut“?

Gut ist für mich alles, was Qualität hat und einen wirklichen Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Darum steht das GUT bei LUST AUF GUT für gutes Design, gutes Handwerk, gute Ideen, gute Architektur – einfach GUTe Qualitäts-Kultur. In unserem Magazin und auf unserer Plattform präsentieren sich ein inspirierender Querschnitt aller Disziplinen und Branchen. LUST AUF GUT bietet denjenigen Marken und GUTmachern in Deutschland eine großzügige Plattform, die für das GUTe und GUTgemachte stehen. Oder anders formuliert: LUST AUF GUT ist unser gesellschaftliche Gegenentwurf zu „Geiz ist geil .“ Ja, „LUST AUF GUT“ ist für uns eine Frage der Haltung.

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Ausgaben des Printmagazins „LUST AUF GUT“

Hat ein neues Print-Magazin in Berlin überhaupt eine Chance auf Erfolg ?

Bis heute haben wir 79 Magazine von LUST AUF GUT publiziert. Und 14 Spezial-Magazine. Und das mit über 3.500 Beiträgen. In mehr als 21 Städten. Bis Jahresende kommen voraussichtlich 20 weitere Stadt-Magazine dazu. Auch wieder zwei Magazine in und für Berlin. Also Print lebt. Und wie. Aber LUST AUF GUT ist auch online. Mit über 350 Fürsprechern, die ihre Stadt oder Region ausLOBEN. Und noch recht frisch mit einem kleinen Shop, sozusagen einem Shöpple. Schauen Sie mal rein. Oder öfters. Denn das Internet lebt. Und wie. Beide zusammen bilden eine sinnvolle Melanche. Und wie.

Martin und Claudia Fritz

Martin Fritz und seine Frau Claudia Schuhmacher-Fritz

Wie bist Du dazu gekommen, ein Magazin mit dem Anspruch „Lust auf Gut“ hier in Berlin auf die Beine zu stellen?

Nach dem BWL-Studium und meinen Wanderjahren in der Agenturenwelt und in der Industrie habe ich mich 1990 mit meiner Marketingagentur in Karlsruhe selbständig gemacht. Also vor 26 Jahren. Gute Gestaltung hat mich schon immer bewegt. So kam ich zu „LUST AUF GUT“. Thomas Feicht, der Gründer der ersten Republic of Culture (RoC), hatte uns vor 5 Jahren eingeladen, mit ihm und anderen guten Gestaltern die Magazinidee weiter zu entwickeln und herauszubringen. Wir sind also eine Art Presseleute- und Gestalter-Kollektiv. Er selber publiziert das Magazin LUST AUF GUT in den Städten Freiburg und Frankfurt. Uns hat er gefragt, ob wir die Städte Karlsruhe/Baden-Baden aufbauen wollen. Und da wir auch gute Kontakte nach Berlin haben, war es für uns eine wunderbare und weitere Herausforderung, das Magazin LUST AUF GUT über Berlin und für die Berliner zu machen. Eben für die Hauptstadt. Da gibt es ja auch sehr viele interessante Leute und gute Manufakturen.

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Ausgabe Nr. 68 – Berlin und drum herum

Welche Idee verfolgt Ihr mit „LUST AUF GUT“? Was wollt Ihr erreichen?

Mit „LUST AUF GUT“ wollen wir ein Netzwerk voller Lob aufbauen. Ein Hauptstadtmagazin der ganz besonderen, anderen Art. Mit Für-Sprechern, Lobern pro Stadt und Region für Menschen, Macher, Läden, Galerien, Künstler, Soziales, Plätze, Köche, Fotografen, und was unsere Mitmacher so GUT finden. Mit Kooperationspartnern. Mit Neuem, Besonderem. Mit regelmäßigen Netzwerktreffen. Und immer aufbauend auf Respekt und auf Augenhöhe. Seit 2015 auch mit einem kleinen „Shöpple“ über alle Bereiche: Design, Fotografie, Genuss, Kunst, Mode und „schau mer mal“. Bestimmt geht es uns und allen Mit-Machern nicht um Hochkultur gegen Design gegen Schnick-Schnack. Uns geht es aber nicht um Abgrenzung, sondern um eine ganzheitliche An-Sicht der Kultur. Wir wollen loben, ausloben. Die, die einfach versuchen, die Dinge gut zu machen. Aber ehrlich – es geht schon etwas gegen die Billig-Billig- und die Geiz-Kultur.

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Euer Magazin bietet Raum für Unternehmen mit manufakturorientiertem, qualitativem und sozialem Anspruch. Worin unterscheidet Ihr euch von anderen Magazinen? Wer ist genau in eurem Fokus?

Wir machen unsere Magazine für ein Zielgruppe mit Qualitätsanspruch. Unser Konzept beschreibe ich so: Wir betreiben eine Art der „unwerblichen” Werbung. Das Konzept von LUST AUF GUT ist, durch den Verzicht auf Firmen-Logos und einer durchgängigen Gesamtgestaltung, die das Magazin als Ganzes im Auge hat, GUTes in den Vordergrund zu stellen. Macher, Manufakturen und soziale Projekte, wollen wir einladen dabei zu sein. LUST AUF GUT ist darum nicht einfach nur ein Magazin, es ist vor allem ein Netzwerk-Produkt, bei dem die Guten die Guten empfehlen, Veranstalter sich mit Markenmachern vernetzen und zum Dialog und freien Austausch über gute Produkte und das GUTgemachte angeregt werden. Ich darf an dieser Stelle Oscar Wild zitieren: „Persönlichkeiten, nicht Prinzipien bringen die Zeit in Bewegung.“ Damit ist LUST AUF GUT eine gute, solitäre Plattform – anlog und digital –, um diese Marken, diese Produkte oder Dienstleitung und lokale und soziale Projekte zu unterstützen und zu fördern. Das machen wir lokal, und für die die möchten, auch städteübergreifend oder bundesweit.

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Wie begegnet ihr der Gefahr des Social Washings? Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey von 2013 zufolge spielt Nachhaltigkeit von Produkten und Unternehmen bei inzwischen fast 90 Prozent der Kaufentscheidungen von Kunden eine Rolle. Auch darum machen immer mehr Unternehmen auf grün und sozial, auch wenn sie es nicht sind. Greenpeace hat dafür extra die Seite stopgreenwash.org ins Leben gerufen. Werden die Unternehmen bei Euch geprüft?

Moment, LUST AUF GUT ist nicht einfach so zu buchen! Wer dabei sein möchte, braucht eine Empfehlung oder wir suchen das Gespräch mit ihm. Und das Thema Social Washing ist uns durchaus bewusst. Auf der anderen Seite können wir aber auch nicht hinter alle Vorhänge schauen. Hier ist oft gesunder Menschenverstand hilfreich. Und, da wir mittlerweile aus vielen Branchen schon Mitmacher in unseren Reihen haben, ist das für uns eine gute Chance um Rücksprache zu halten, also Empfehlungen einzuholen oder zu hinterfragen: So führen wir zum Beispiel mit Michael Wimmer von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg FÖL Gespräche, um mit seinen Empfehlungen Bauern und handwerkliche Produzenten – aus Brandenburg und Berlin – aus dem Bereich Ackerbau, Viehzucht und Verarbeitung besser für unser Magazin auswählen und einladen zu können. Genauso sind wir im guten Gespräch mit Slow Food Berlin, mit Lars Jäger. Das Groß- und Hauptstadt-Convivium kennt die kulinarischen Einflüsse, die sich in Berlin zu einer einzigartigen Melange verbinden. So entsteht viel Hintergrundwissen, auf dem wir aufbauen, und mit dem wir unsere sinnliche Netzwerk-Plattform immer weiter erweitern.

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Was macht Berlin so besonders, so anders? Was bewegt dich, hier dieses Magazin-Projekt zu machen?

Berlin ist Kultur. Berlin ist Zentrum. Berlin ist Bewegung. Berlin ist Wesenszug vieler Ideen und Lebenskonzepte, die morgen Deutschland weiter entwickeln, vielleicht auch gut mit verändern. In Berlin haben wir seit ein paar Jahren ein Büro. Also lag es für mich auf der Hand, dass wir auch hier das Magazin LUST AUF GUT als Verleger herausbringen wollten. Hat gut geklappt. Aktuell arbeiten wir an der vierten Ausgabe des Stadt-Magazins. Wir haben da noch viel vor. Denn von hier aus können wir die anderen RoC Republicen und deren Mitmacher unterstützen und ihnen gleichwohl auch Hauptstadt-Repräsentanz sein. Wer möchte, den vernetzen wir über die Stadtgrenzen hinaus. Für mich ist auch wichtig: Berlin sollte wie unser LUST AUF GUT immer bezahlbar sein und bleiben. Auch für Einzelkämpfer, Künstler, kleine Läden und Manufakturen. Das ist die gute Chance für Berlin, guten Idee von guten und engagierten Mit-Machern guten Raum zu geben und dadurch der Stadt einen weiteren GUTen Mosaikstein der Kultur hinzuzufügen. Manchmal hören wir schon, dass wir eine besondere Art der Wirtschaftsförderung sind. Das schmeichelt uns dann schon. Aber es stimmt. Und das ist gut so.

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Was sind eure Pläne mit und rund um die Magazine? Wie wird sich die RoC Republic of culture weiter entwickeln?

Wir arbeiten am vierten Stadtmagazin, wird im November 2016 publiziert. Im Sommer hatten wir unser erstes LUST AUF GUT zum Thema der Speisekulturen in Berlin & Brandenburg publiziert. Hier wird das zweite Magazin auch im November veröffentlicht. Darauf freuen wir uns als Macher schon! Wir wollen gutes Handwerk und gute Produzenten, die sich um ein faires Miteinander bemühen, unterstützen. Das Wissen darüber hat jeder Bürger verdient, der sich dem Thema zuwendet und öffnet. Zum Schluss dient es dem Bürger und der Gesellschaft. Und das ist doch GUT so. Für 2017/2018 planen wir einen Concept- und Pop-up-store. Das Konzept haben wir dafür fertig. Hier suchen wir den Raum. Und Gespräche mit Investoren. Wir haben viel für und mit der Hauptstadt vor. Also die Zukunft wird spannend. Wir machen es. Wir RoCen Berlin.

Danke, Martin, und weiterhin viel Erfolg!