Guter Wein braucht kein Aushängeschild

Guter Wein braucht kein Aushängeschild

PAULINA’S FRIENDS limitierte Weinkollektion

Text: Paulina Tsvetanova

Weinkollektion Paulina's Friends

PAULINA’S FRIENDS limitierte Weinkollektion in Zusammenarbeit mit SAMESAME vereint sinnlichen Genuss auf mehreren Ebenen – die haptische Berührung eines geschmeidigen handgefertigten Unikats aus Recycling-Glas mit dem kräftigen Geschmack eines Jahrtausende alten Weins aus Thrakien. Kein Zufall also, dass selbst die Flasche beschwipst aussieht. Das Objekt existiert lange nachdem der Wein konsumiert wurde – ob als Flasche oder Vase entscheiden Sie selbst.

Guter Wein braucht kein Aushängeschild, dennoch:

Weinkollektion Paulina's Friends Samesame

Edition: 25 mundgeblasene Unikate

Rebsorte: Merlot

Weinstil: kräftiger, trockener, würziger Rotwein

Jahrgang: 2015

Qualitätsstufe: Reserva

Anbauregion: Thrakische Ebene, Südbulgarien; kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung

Füllmenge: 0,7 – 1,3 L

Alkoholgehalt: 13,3 % VOL.

Trinktemperatur: 15-17°C

Verschluss: Naturkorken

Allergenhinweis: enthält Sulfite

Preis pro Flasche: 75 €

Geschmack: Der klare rubinrote Rotwein weist intensive, vordergründige Aromen von reifen Trauben und schwarzen Beeren (Brombeere, schwarze Johannisbeere, Kirsche) auf. Hinzu kommen feine Holznoten. Der Geschmack ist weich, ausgewogen – am Gaumen spürt man seine stoffige Struktur, die sich zugleich saftig und samtig zeigt.

Weinkollektion Paulina's Friends Samesame

Bulgarischer Wein – Wiege der europäischen Weinkultur

In der Bronzezeit kultivierte man um das Balkangebirge wild wachsende Rebstöcke – Thrakien gilt als eine der Geburtsstätten des europäischen Weinbaus. Weinbau gab es in diesem Land schon im Altertum, als thrakische Stämme nördlich und südlich des Balkangebirges wildwachsende Rebstöcke kultivierten und einen ausgeprägten Kult zu Ehren des Gottes Dionysos betrieben. Zur Zeit des Römischen Reiches war thrakischer Wein ein begehrter Exportartikel nach Griechenland, Sizilien, Kleinasien und Ägypten. Diese uralten Erfahrungen wurden dann von den Slawen und Bulgaren übernommen. Im Mittelalter erreichte der Weinbau durch die Klöster mit ihren weitflächigen Weingärten einen Höhepunkt. Im Jahre 1393 wurde das bulgarische Reich von den Türken erobert. Den Bulgaren wurde in der 500-jährigen Herrschaft der Weinbau trotz islamischem Wein-Verbot erlaubt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Weinbau intensiv gefördert. Seitdem hat er sich zu einem enormen Wirtschaftszweig entwickelt. Bulgarien ist heute im Wein-Export weltweit im Spitzenfeld, in mehr als 70 Länder werden rund 90% der Produktion exportiert.

Solange der Vorrat reicht!

Prost!

Weinkollektion Paulina's Friends Samesame

 

Es gibt auch ein Leben vor dem Tod…

Es gibt auch ein Leben vor dem Tod…

Ein Interview mit Lydia Gastroph, Inhaberin des Labels zur Förderung der Sterbe- und Lebenskultur w e i s s über den tod hinaus

Text: Paulina Tsvetanova

Liebe Lydia, Du kuratierst und verkaufst künstlerisch gestaltete Urnen und Särge von anerkannten und angehenden Kunsthandwerkern und Designern. Ein sehr unkonventioneller, innovativer Job! Nicht zufällig referierst Du als Vorbild-Gründerin beim jährlichen Entrepreneurship Summit. Ist Dein Job Deine Berufung?

Liebe Paulina, ja, in meinem Unternehmen w e i s s über den tod hinaus verkaufe ich von namhaften Künstlerinnen und Künstlern entworfene und von ihnen selbst angefertigte Särge, Urnen und Trauerschmuck. Gleichzeitig kuratiere ich Ausstellungen in Galerien, Hospizen, Kirchen und an anderen schönen oder außergewöhnlichen Orten zum Thema Abschiedskunst. Einen „Sargladen“ als Pop up Store in der Münchner Innenstadt habe ich auch schon betrieben. Auf vielfachen Wunsch meiner Kunden bin ich mittlerweile auch Bestatterin geworden. All meine Kraft, mein Durchhaltevermögen, meine Begeisterung, unendlich viel Zeit, Energie, Motivation und Liebe stecke ich in dieses Unternehmen. Es ist meine Berufung, meine Herzensangelegenheit.

Lydia Gastroph Foto: Miriam Künzli

Lydia Gastroph, Foto: Miriam Künzli

Dein Unternehmen w e i s s über den tod hinaus enttabuisiert das Thema Tod, Abschiednehmen, Sterben. In Deutschland wie in anderen Wohlstandsgesellschaften leider sehr verdrängt und unbequem. Heutzutage tun wir ja alles Mögliche um uns selbst zu optimieren und selbst den Tod zu umgehen, verhindern, nach hinten zu verschieben. Warum eigentlich? Der Tod ist eigentlich ganz normal und gehört zum Leben. Ist Deine Firma aus dem tiefen Wunsch nach gesellschaftlichem Umdenken entstanden, oder gab es eine persönliche Geschichte?

Grundsätzlich versuche ich, Vorhandenes zu hinterfragen und neu zu denken: Muss es zwingend so sein wie es ist? Gibt es Möglichkeiten etwas zu verbessern, zu verschönern, menschlicher, nachhaltiger, umweltfreundlicher zu gestalten? Dabei bin ich zum radikalen gesellschaftlichen Umdenken bereit. Es erfordert Mut, sich dem Tabuthema Tod zu stellen und sich mit Grenzerfahrungen auseinander zu setzten. Tief berührt war ich als junges Mädchen vom Tod meiner Schulkameradin, die mit 17 Jahren an Leukämie gestorben ist. Bei Ihrer Beerdigung empfand ich den altmodischen, schweren, massiven Sarg als nicht zu ihr passend. Ich fragte mich bei Beerdigungen später oft, ob das was ich da sah, wirklich so trostlos, und ein Sarg industriell gefertigte Massenware sein muss. Das Schlüsselerlebnis zur Gründung meines Unternehmens war dann die Diagnose einer unheilbaren Krebserkrankung meiner jüngeren Schwester. Dadurch wurde bei mir ein Prozess der tiefgreifenden persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben, Tod und Abschied nehmen in Gang gesetzt. Meine Schwester wollte ihren letzten Abschied selbst gestalten und ich wollte noch etwas Schönes für sie tun, einen letzten Liebesdienst sozusagen. So machte ich es mir mit meinem Unternehmen w e i s s über den tod hinaus zur Aufgabe, dem von mir schon lange empfundenen Defizit in unserer Trauerkultur eine ästhetische, künstlerische, individuelle Abschiedsgestaltung entgegenzusetzen.

Deine „Produkte“ sind Begräbniskunst, die sich schon zu Lebzeiten als Truhe, Urne, Schrank, Sitzbank etc. verwenden lässt. Ist die Multifunktionalität der schlichten, modernen Gefäße aus verkaufstechnischen Gründen gewollt oder bewusst ins tägliche Leben integriert, damit die Kunden von der „Urfunktion“ der Gefäße nicht abgeschreckt werden?

Ich lege sehr großen Wert auf die Ästhetik, die Schönheit und die hochwertige künstlerische und handwerkliche Gestaltung der letzten Dinge. Unser Gehirn reagiert auf unangenehme visuelle Reize mit Angst und Ablehnung. Deswegen halte ich es für klug, der Unfassbarkeit des Todes eine bewusste, künstlerische Gestaltung entgegenzusetzen. Da sich meine Produkte sowohl die Särge, als Möbelstücke, als auch die Urnen als Vasen oder Gefäße problemlos in ein modernes Wohnumfeld integrieren lassen, haben wir die Möglichkeit uns alltäglich mit dem Tod – der ja jederzeit in unser Leben treten kann – auseinander zu setzten. Ganz pragmatisch gesehen ist die Multifunktionalität der Gegenstände sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Wenn wir bedenken, dass jeder Einzelne von uns per Gesetzt im Sarg beerdigt oder verbrannt werden muss, so ist es doch sinnvoll, diesen schon zu Lebzeiten als Schrank oder Truhe zu benutzen.

Urne Lydia Gastroph, Inhaberin des Labels zur Förderung der Sterbe- und Lebenskultur w e i s s über den tod hinaus

Urne „In Deinen Händen“ von Kati Jünger

Viele junge, gesunde, lebende Menschen kaufen sich solche Urnen und Särge und stellen sich diese ins Wohnzimmer. Ist das nicht ein wenig gruselig? Möchten sich diese auf einer künstlerischen Ebene mit der eigenen Vergänglichkeit, mit dem Unbegreiflichen und Unkontrollierbaren auseinandersetzen?

Meine Erfahrung im Umgang mit den letzten Dingen hat gezeigt, dass diese Produkte die Menschen zum Nachdenken anregen und sie Erleichterung verspüren, endlich mal auf ganz unbefangene Weise über das Thema Tod kommunizieren und Fragen stellen zu dürfen. Menschen, die ganz bewusst ihre Beerdigung vorbereiten wollen, haben mir mitgeteilt, dass es für sie beruhigend ist, ihre letzte Behausung zu kennen. Es öffnet den Weg, sich auch mit den Angehörigen und Freunden über Sterben, Tod und Bestattung auszutauschen und Wünsche zum eigen Abschied formulieren zu können. Bei Gästen und Freunden, die mich zu Hause besuchen, beobachte ich ein großes Erstaunen darüber, wie schön das aussehen kann und wie unproblematisch es sich anfühlt, zwischen den unzähligen Särgen und Urnen – die meine Wohnung bevölkern – zu leben. Hier gruselt sich niemand vor meinem Sargschrank, der in meinem Wohnzimmer steht, im Gegenteil es regt zur Nachahmung an. Man kann ganz einfach begreifen: Der Tod gehört zum Leben dazu.

Lydia Gastroph, Inhaberin des Labels zur Förderung der Sterbe- und Lebenskultur w e i s s über den tod hinaus

Abschiedskunst: Großer roter Sarg und Blumendekoration von der Blumenkunstschule Weihenstephan

Seltene, individuelle Särge und Urnen sind ein Teil der „künstlerischen Inszenierung des Todes“. Ist diese Vorstellung nicht etwas pietätlos aus christlicher Sicht?

Für mich selbst und für andere zu sorgen, mir selbst und meinen Mitmenschen Liebe und Wertschätzung entgegen zu bringen ist ein christliches Gebot. Dieses Gebot endet nicht mit dem Tod eines Menschen. Individuelle Gestaltung der „letzten Dinge“ ist wie ein letzter Liebesdienst. Jemandem auf seine „letzte Reise“ etwas besonders schönes mitgeben zu wollen, ist Ausdruck einer besonderen Wertschätzung. Vor zwei Jahren bin ich zum katholischen Glauben konvertiert, nicht zuletzt weil mich künstlerisch gestaltete Kirchenräume anziehen und faszinieren. Wären diese Räume dann etwa auch pietätlos aus christlicher Sicht?

Ruth im Sargladen Lydia Gastroph, Inhaberin des Labels zur Förderung der Sterbe- und Lebenskultur w e i s s über den tod hinaus

Ruth, verstorbene Schwester von Lydia Gastroph im Sargladen. Sie hat w e i s s über den tod hinaus den größten, entscheidenden Impuls gegeben

Deine Kundschaft legt sicherlich einen hohen Wert auf ästhetische Gestaltung, Nachhaltigkeit und ethische Werte. Das kann den Verstorbenen trotzdem nicht ins Leben zurückholen, dennoch die Trauer etwas mildern und verschönern. Wie würdest Du Deine Kunden beschreiben?

Meine Kunden sind meistens Menschen, die sich mit Kunst, Kultur und Gestaltung auseinander gesetzt haben, oder aus diesem beruflichen Umfeld kommen und so beerdigt werden wollen, wie sie gelebt haben. Viele stammten zunächst aus meinem künstlerischen Freundeskreis. Sie waren begeistert, dass ich etwas anbieten konnte, was zu ihren Vorstellungen und ihrer Lebensweise passt. Nun hatten sie die Möglichkeit, dem – wie sie es nannten „optischen Grauen bei Beerdigungen“ – entgehen zu könnten. Andere wurden auf der Suche nach neuen Formen der Abschiedsgestaltung übers Internet auf mein Unternehmen w e i s s aufmerksam, oder als Besucher meiner Ausstellungen und Vorträge.

Urnenbestattung Lydia Gastroph, Inhaberin des Labels zur Förderung der Sterbe- und Lebenskultur w e i s s über den tod hinaus

Urnenbestattung, Abschied von Rhino

Warum musstest Du noch Sterbebegleiterin und Bestatterin werden? Reicht nicht die künstlerische Konzeption einer Beerdigung aus oder gehört die Dienstleistung unabdingbar dazu?

Ich bin keine ausgebildete Sterbebegleiterin, begleite aber meine Klienten auf deren Wunsch auf ihrem gesamten letzten Weg über den Tod hinaus. Ich fungiere überwiegend als Mut-Macherin, Eigeninitiative in der Abschiedsgestaltung zu ergreifen und als künstlerische Bestattungs-Beraterin. Ich möchte den Menschen die Angst nehmen, den letzten Abschied selbst zu gestalten und auch durchzuführen. Auch in diesem Bereich können wir uns zu mündigen Bürgern entwickeln, die selbstbestimmt handeln und gut informiert sind, damit sie wissen, wie sie Ihre Wünsche in die Tat umsetzen können. Ein längst überkommenes Obrigkeitsdenken hat an dieser Stelle nichts verloren. Schön ist, dass ich mittlerweile auf ein großes künstlerisches Netzwerk zurückgreifen kann, das ich über die Jahre aufgebaut habe und bei Bedarf meinen Klienten zur Verfügung stellen kann.

Urne im Entstehen - in der Werkstatt von Kati Jünger

Urne im Entstehen – in der Werkstatt von Kati Jünger

Zu den Bestattungen lädst Du Musiker und Literaten ein, die eine Bestattung als unvergessliche Performance gestalten. Was für eine schöne Würdigung des Verstorbenen. Also legst Du einen großen Wert darauf, dass sich Deine Rituale von den herkömmlichen unterscheiden. Was wird gespielt, vorgelesen, gesungen?

Rituale sind kulturell eingebundene Handlungsabläufe, die Sinn machen und Halt und Orientierung geben. Ich möchte keinen Trends nachgeben, oder Unernst im Ritual. Rituale bilden sich über lange Zeiträume heraus und haben einen tiefen Sinn. Christliche Rituale zum Beispiel spenden Trost durch den Glauben an die Auferstehung. Im Rahmen einer Abschiedsfeier versuche ich die Angehörigen und den Freundeskreis zu motivieren, selbst vorzutragen oder zu musizieren. Ich spreche Empfehlungen aus: Musik, die live gespielt wird, Schauspieler, die Lyrik oder Literatur vortragen, da kann z. B. gerne mal ein Robert Gernhardt Gedicht dabei sein. Tanz, oder auch Märchen, die ja symbolische Lebensweggeschichten sind. All das auf höchstem künstlerischen Niveau. Wichtig dabei ist, der immergleichen „Musik vom Band“ Live Musik entgegenzusetzen – auch und besonders das Neue und Unvorhergesehene, noch nie gehörte, extra zu diesem Anlass komponierte. Ich biete an, dass Menschen, die ihre eigene Trauerfeier planen wollen, ihre Musik von Musikern, die später am Grab live musizieren, einspielen und auf CD brennen lassen können. Ich habe eine sehr bewegende Live Performance am Grab erlebt mit den Lieblingsstücken „Stark wie Zwei“ von Udo Lindenberg und „Nur zu Besuch“ von den Toten Hosen. Beides konnte die Auftraggeberin vor ihrem Tod anhören so oft sie wollte.

Was ist die größte Herausforderung bei Deinem Job? Vielleicht magst Du uns eine unvergessliche Situation aus Deinem beruflichen Alltag erzählen.

Klingt jetzt wahrscheinlich seltsam, aber die größte Herausforderung ist für mich, für meine Dienstleistungen Rechnungen zu schreiben, denn ich lebe von dem Tod anderer Menschen. Das hinterlässt immer ein ungutes Gefühl bei mir, denn der Kontakt zu den Menschen, mit denen ich in dieser sehr persönlichen bis intimen Situation zu tun habe, wird meistens sehr intensiv, da wird es für mich schwer die Grenze zwischen Freundschaft und Geschäft zu ziehen. Unvergessliche Situationen gibt es viele. Viele davon sind zu privat, als dass ich sie erzählen könnte. Ich denke oft daran, wie sich die weiß gekachelte Pathologie eines Krankenhauses durch die besondere Ausstrahlung eines unserer Särge plötzlich in einen fast kontemplativen, spirituellen Ort verwandelt hat. Wie einer unserer todkranken Klienten sich seinen roten Sarg von uns in das unbenutzte Schwimmbad seines Bungalows hat liefern lassen und uns dabei begeistert fotografierte. Wie meine sterbende Schwester mich eines Abends gebeten hat, ihre von einer Textilkünstlerin für sie persönlich handgefilzte Sarginnenausstattung und ihre Sargkleidung, die sie sich selbst zurecht gelegt hatte, vor ihrem Krankenbett auszubreiten. Mit der Bemerkung: „Schön, gefällt mir. Ich bin zufrieden. Du brauchst es nicht mehr einzupacken“ schickte sie mich nach Hause. Am nächsten morgen ist sie gestorben.

Lydia Gastroph, Inhaberin des Labels zur Förderung der Sterbe- und Lebenskultur w e i s s über den tod hinaus

Abschied von Rhino

Möchtest Du mit w e i s s über den tod hinaus Deinen Kunden und Mitstreitern die Angst vor dem Tod nehmen?

Nein, das wäre ja vermessen. Die Angst vor dem Tod kann jeder nur für sich selbst in den Griff bekommen. Ich glaube aber, dass die Auseinandersetzung und das tägliche Denken an den Tod zur Lebensklugheit beiträgt.

„Alle Kunst entsteht aus Angst vor dem Tod“ sagte einst Hermann Hesse. Wie ist Dein persönliches Verhältnis zum Tod?

Angst vor dem Tod ist für mich tatsächlich ein zentraler Impuls, mich auf künstlerischer Ebene mit Sterben und Tod auseinanderzusetzen. Mich faszinieren die damit verbundenen Grenzerfahrungen, die sich in der Kunst widerspiegeln. Angst vor dem Tod setzt bei mir ein Daraufzugehen, nicht ein Verdrängen, in Kraft, ganz nach dem Motto: „Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.“

Lydia Gastroph, Inhaberin des Labels zur Förderung der Sterbe- und Lebenskultur w e i s s über den tod hinaus

Foto Totenbett, Fotocollage von Özen Gider, Sarginterior von Bea Grawe

Weißt Du wie Deine eigene Bestattung aussehen soll?

Hauptsache, die, die mich dereinst bestatten, wissen es. Ich spreche oft darüber und hoffe, dass einige meiner Wünsche auf fruchtbaren Boden fallen. Wichtiger ist es mir allerdings, dass ich so sterbe, wie ich es mir erhoffe, nämlich nicht plötzlich und unvorbereitet, sondern ganz bewusst, aber schmerzfrei und in dem Hospiz meiner Wahl zu dem ich heute schon freundschaftliche Kontakte pflege und dass es mindestens einen Menschen gibt, für den dann sozusagen die Uhren stehen bleiben, der dann alle Zeit der Welt hat und nicht in die Arbeit oder zu anderen Terminen muss, um mich über den Tod hinaus zu begleiten. Meinen Sargschrank für danach habe ich ja schon zu Hause stehen, den muss man nur noch flach legen und die Regalböden herausnehmen, dann möchte ich darin gerne offen aufgebahrt werden. Wenn ich jetzt sterben würde, wünschte ich mir eine kirchliche Trauerfeier mit dem Pfarrer meiner Wahl, von dem ich weiss, dass er die richtigen Worte findet. Mein künstlerisches Netzwerk wird sicher einen schönen unkonventionellen Beitrag zur Abschiedsfeier leisten. Es darf ruhig romantisch sein, es darf geweint werden, es darf traurig sein und schwarz darf auch anziehen wer will. Zur Stärkung danach sollte es aber einen üppigen und ausgezeichneten Leichenschmaus geben, so dass sich die Tische biegen. Mein größter Wunsch ist, das all das passiert, ohne dass ein Bestattungsunternehmen eingeschaltet wird, also eigentlich ein Gemeinschaftsprojekt meiner Angehörigen und Freunde. Lasst Euch sagen: Ihr schafft das!

Woher schöpfst Du Kraft, um die persönlichen Schicksale der Verstorbenen und deren Angehörigen nicht zu nah an sich ran zu lassen? Geht Mitfühlen und Mittrauern ohne mitzuleiden?

Stille und Natur sind für mich die größten Kraftquellen überhaupt. Ich habe in meiner näheren Umgebung ein paar Kraftorte für mich entdeckt, wohin ich mich nach Bedarf zurückziehe. Dort bin ich alleine und kann in das Hier und Jetzt versinken, weltlicher Schmerz, Trauer, Mitgefühl, Mitleid und Selbstmitleid relativieren sich. Kann ich nicht in die Natur fahren, suche ich Kirchenräume auf, meistens architektonisch modern gestaltete, die nicht ablenken von der inneren Anschauung. Außerdem gehe ich regelmäßig Sonntags in den Gottesdienst, das strukturiert meine Arbeitswoche und lässt mich inne halten, schenkt mir Trost und lässt mich das was ist reflektieren. Ich fühle mich dadurch in einer größeren Gemeinschaft geborgen und willkommen. Ich bin möglichst oft in meiner Wahlheimat Griechenland, wo ich neue Kraft schöpfen kann, das Licht dort heilt alle Betrübnis.

Trost Lydia Gastroph, Inhaberin des Labels zur Förderung der Sterbe- und Lebenskultur w e i s s über den tod hinaus

Trostbecher, Porzellan von Elisabeth Klein, Blumen von Anna Lindner

Was ist der größte Trost für die Menschen, die wissen, dass sie bald sterben? Und für deren Angehörige? Was kann ein Lebender vom Tod lernen?

Ich habe auf dem Entrepreneurship Summit einen wunderbaren Vortrag von Heini Staudinger gehört. Wie er möchte ich bei dieser schwierigen Frage am liebsten Rilke zitieren: „Und wenn ich abends immer weiter ginge aus meinem Garten, drin ich müde bin, ich weiß: dann führen alle Wege hin zum Arsenal der ungelebten Dinge“. Staudinger interpretiert das so: Ein Arsenal ist eine Waffenkammer. Wenn die sich mehr und mehr mit eigenem ungelebtem Leben füllt, dann füllen sich unsere persönlichen Waffenkammern mit immer mehr Aggression gegen uns selbst, gegen die Umwelt und gegen Mitmenschen. Was wir vom Tod lernen können ist, unser Leben in Achtsamkeit zu leben und unsere Endlichkeit nicht zu verdrängen, sondern sie bewusst zu akzeptieren.

Lydia Gastroph, w e i s s über den tod hinaus, Keramikvase mit Blumen

Urnenvase von Kati Jünger, Blumen von Anna Lindner

Hast Du auch Wunderheilungen erlebt? Also man hat sich auf den Tod eingestellt und ist trotzdem gesund geworden, alles war quasi umsonst?

Nein, aber ich hoffe, das erlebe ich noch.

Und was ist mit dem Leben nach dem Tod?

Sofern es das gibt, ein Leben nach dem Tod.

Eigentlich bist Du Goldschmiedin und Schmuck ist dein Erfolgsstandbein. Stellst Du auch sogenannten Trauerschmuck her? Wie unterscheidet er sich vom normalen Schmuck?

Trauerschmuck war um die Jahrhundertwende des vorigen Jahrhunderts eine eigenständige Schmuckgattung. Ich selbst habe früher, um Trauer und Verluste zu verarbeiten ausprobiert, ob ich diese Gefühle in Schmuck verarbeiten kann. Ansatzweise ist mir das auch gelungen. Bergkristalltränen, die als Ohrschmuck getragen werden können und Ähnliches. Für mich war das Medium Schmuck aber nie so richtig geeignet, um es mit dem Thema Trauer zu verbinden, obwohl ich mittlerweile auch zeitgenössische Schmuckkünstler mit ausstelle, die sich in ihrer Arbeit ganz intensiv mit Themen wie Vergänglichkeit, Morbidität, Vanitasmotiven und ähnlichem beschäftigen. Aus diesen beiden beruflichen Polen ist wohl entstanden, dass ich meinem Unternehmen w e i s s über den tod hinaus das Zitat von Victor Hugo vorangestellt habe: „Der Tod und die Schönheit sind zwei tiefgründige Dinge, die ebenso viel Schatten wie Licht in sich tragen, als seien sie zwei Schwestern, schrecklich und schöpferisch zugleich. Dasselbe Rätsel und dasselbe Geheimnis bergend.“

Hans Baldung Grien, Tod und Weib, 1517. Als Verfolger, Liebhaber und Warner mit dem Stundenglas tritt der Tod auf Baldungs Bildern an die Frau heran. Als Kontrast zu ihrer blühenden Schönheit, aber wohl auch, weil die Frau das Leben gebiert.

Hans Baldung Grien, Tod und Weib, 1517. Als Verfolger, Liebhaber und Warner mit dem Stundenglas tritt der Tod auf Baldungs Bildern an die Frau heran. Als Kontrast zu ihrer blühenden Schönheit, aber wohl auch, weil die Frau das Leben gebiert.

Was würdest Du jungen Start-Ups mit auf den Weg geben?

Ich möchte Ihnen ans Herz legen, genauestens zu prüfen, ob ihre Gründungsidee und das was sie tun, stimmig zu ihrer Person ist und ob sie davon durch und durch ergriffen sind. Vieles ist heute austauschbar geworden. Die virtuelle Welt entzieht sich immer mehr der tiefen Sehnsucht der Menschen nach Nähe, Geborgenheit und gegenseitiger Fürsorge. Die zentrale Sehnsucht aller Menschen ist aber, zu berühren und berührt zu werden, nicht nur körperlich, sondern auch und vor allem im Inneren. Vernachlässigen Sie diesen Aspekt nicht, denn das sind die grundlegenden Bedürfnisse Ihrer zukünftigen Kunden. Tun Sie das, was Sie tun mit Liebe und: erlernen Sie eine Handwerkskunst.

Liebe Lydia, herzlichen Dank für dieseses wunderbare Interview!

w e i s s über den tod hinaus ist ab November bei PAULINA’S FRIENDS im BIKINI BERLIN repräsentiert.

Lydia Gastroph, w e i s s über den tod hinaus

Foto vom Sargladen, Stillleben an der Wand von Eva Jünger, Urnenvase von Kati Jünger

Erfolgsrezept: Leidenschaft

Erfolgsrezept: Leidenschaft

…für die angewandte Kunst

Wir sprachen mit Dirk Allgaier, Inhaber von Arnoldsche Art Publishers, über seinen Verlag, die angewandte Kunst heute und die unverwechselbare Qualität des gedruckten Buches.

Text: Paulina Tsvetanova

 Dirk Allgaier Arnoldsche Verlag

Dirk Allgaier mit Brosche von Babette von Dohnanyi. Foto: Miriam Künzli

Herr Allgaier, Arnoldsche Art Publishers ist meines Wissens der einzige deutsche Verlag, der sich auf dem Gebiet der angewandten Kunst spezialisiert hat. Durch Ihre Schwerpunktbereiche Schmuckkunst & Keramik tragen Sie einen beachtlichen Beitrag zur Bekanntmachung dieser im mitteleuropäischen Raum etwas vernachlässigten Künste bei. Was unterscheidet Sie von anderen Kunstbuchverlagen?

Rein organisatorisch und was die Herstellung wie auch den Vertrieb betrifft unterscheidet uns vermutlich nicht so viel von anderen Kunstbuchverlagen. Ich denke, es ist die Leidenschaft, mit der wir nicht nur hinter unseren Büchern stehen, sondern die wir auch für die angewandte Kunst ganz persönlich hegen. In unseren Verlagsräumen in Stuttgart sind nicht nur viele Bücher zu diesen Themen (auch von anderen Verlagen) zu finden, sondern auch, um die von Ihnen genannten Bereiche aufzugreifen, Schmuckobjekte und Keramiken zahlreicher internationaler Künstlerinnen und Künstler ausgestellt. Neben einer kleinen hauseigenen Sammlung sind wir auch persönlich an diesen Kunstformen interessiert. Meine ganz besondere Leidenschaft liegt zum Beispiel in der zeitgenössischen Künstlerkeramik, aber auch im Autorenschmuck.

Darüber hinaus verleihen wir unserer Begeisterung für diese Kunstformen seit 2015 auch in einer zwei Mal jährlich stattfindenden Ausstellungsreihe, der „arnoldsche weekend art gallery“, Ausdruck. So hatten wir bereits die Gelegenheit und das ganz große Vergnügen, Ende 2015 keramische Arbeiten von Beate Kuhn und Sebastian Scheid sowie diesen Sommer Schmuckobjekte von Mari Ishikawa und keramische Skulpturen von Thomas Bohle in unseren Verlagsräumen auszustellen. Im November dieses Jahres werden wir die Reihe mit Schmuck von Silvia Weidenbach und Keramik von Karl Fulle fortsetzen, worauf ich mich schon ganz besonders freue.

Wie schätzen Sie die Szene der angewandten Kunst / Design in Deutschland ein? Wie sehen Sie ihre Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken?

Die „Szene“ der angewandten Kunst in Deutschland ist recht klein und überschaubar. Das ist zum einen von Vorteil, denn das birgt Chancen auf großes Wachstum. Die Herausforderung besteht darin, das Einzigartige, Unverwechselbare und Unnachahmbare der Objekte in den Mittelpunkt zu stellen. Man sollte versuchen, das „Markendenken“ aus den Köpfen der potentiellen Käufer zu bekommen, diese sollten Dinge wieder sehen, wahrnehmen, fühlen können. Es gehört nichts groß dazu, bei einer entsprechenden potentiellen Kaufkraft einen Schmuck von Cartier, Chanel oder Versace zu tragen, das ist fast schon beliebig und austauschbar. Dagegen ist es doch viel spannender, kommunikativer und gesellschaftlich relevanter, einen Schmuck von Bernhard Schobinger, Otto Künzli, Daniel Kruger oder Tone Vigeland am Körper zu tragen. Und dazu noch um einen Bruchteil an Kosten. Hier sehe ich auch eine Chance für Einsteiger. Auch eine gestalterisch auf höchstem Niveau stehende Skulptur aus Keramik oder Glas kann ich bereits für einige hundert Euro erwerben. Und das für ein Unikat-Objekt, da müssen Sie bei den Bildenden Künsten lange suchen.

Was kann die angewandte Kunst / das Kunsthandwerk von der bildenden Kunst lernen und umgekehrt?

Meiner Meinung nach ist die Trennung zwischen angewandter und bildender Kunst eine rein akademische. Wenn Sie sich auf das Abenteuer Künstlerkeramik oder Schmuckkunst oder Studioglas einlassen, werden Sie schnell feststellen, dass es sich lediglich um andere, aber gleichwertige, hoch komplexe künstlerische Ausdrucksformen handelt, die in nichts den vermeintlich kanonischen Künsten der Malerei, Skulptur, Architektur, Fotografie oder der Performancekunst nachstehen. Die Rezeption dieser Kunstformen ist beispielsweise in den skandinavischen Ländern schon viel offener als bei uns in Deutschland. Oder denken Sie an den Turner-Preis, der 2003 an Grayson Perry verliehen wurde. Das war eine Sensation, denn der renommierte Kunstpreis wurde in diesem Jahr einem „Keramiker“ verliehen, was zu Schlagzeilen führte und zeigt, dass sich zwar die Jury des Wertes der künstlerischen Ausdrucksform „Keramik“ bewusst war, die berichtenden Medien jedoch weniger. Vielleicht lernen die Künste weniger voneinander als dass sie sich gegenseitig befruchten? In jedem Fall ist es uns mit unserem Verlagsprogramm ein Anliegen, auch den sogenannten angewandten Künsten ein Forum zu bieten, das sie unserer Meinung nach absolut verdienen.

Erst kürzlich habe ich ein Interview mit dem Galeristen Jörg Johnen in der ZEIT gelesen, anlässlich der Aufgabe seiner Galerie für zeitgenössische Kunst. Er lenkt darin den Blick auf die Künstlerkeramik, die in den letzten 20 Jahren ziemlich in Vergessenheit geraten ist. Für ihn ist sie ein spannender Gegenpol zum ständigen Gesample und Gebastel der jungen Gegenwartskunst, zur „Mausklickkunst“ wie er sagt, die über kurz oder lang einfach nur ermüde. Er attestiert der Gegenwartskunst kaum noch Tiefe des Denkens und Erlebens. Genau das aber finde ich in den angewandten Künsten, und vielleicht ist es das, was die bildende Kunst von ihnen wieder (er)lernen kann?

Sie sind seit 2015 Verlagsinhaber von Arnoldsche Art Publishers, wo Sie seit über 20 Jahren tätig sind und lange für die Betreuung der internationalen Verlagspartner zuständig waren. Erzählen Sie uns ein wenig über Ihre berufliche Laufbahn, angefangen von Ihrem Studium der Archäologie bis hin zu Ihrer Herausforderung als Verlagsinhaber.

1992 habe ich mein Archäologiestudium mit dem Magister abgeschlossen. Mein Wunsch war es schon immer, in einem Verlag zu arbeiten. Daher habe ich im Anschluss an das Studium bei Klett in Stuttgart eine verlagskaufmännische Ausbildung angefangen. Teil dieser Ausbildung waren drei Praxismonate in einem Verlag. Diese habe ich bei der Arnoldschen als Praktikant durchgeführt. Nach Ende der drei Monate habe ich meine Ausbildung gar nicht mehr abgeschlossen, sondern gleich bei der Arnoldschen weitergearbeitet, als erster fest angestellter Mitarbeiter.

In der Rückschau ist es schon faszinierend zu sehen, wie sehr sich die Verlagsarbeit in diesen 20 Jahren professionalisiert und internationalisiert hat. Auch den Wechsel der Einkaufsgewohnheiten des Endkunden vom Buchhandel hin zu den Online-Einkäufen (meist bei Amazon) konnte ich gut nachvollziehen. Früher war der Buchhandel ein verlässliches Bindeglied auch für kleinere und spezialisierte Verlage hin zum Endkunden. Das ist heute bei weitem nicht mehr der Fall, da zum einen die Hälfte des Buchhandels von vor ca. 20 Jahren nicht mehr existiert und viele Buchhandlungen es sich nicht mehr leisten können, ein groß angelegtes Sortiment in ihrem Laden zu führen. Das sehe ich als eine große Herausforderung an, unsere potentiellen Kunden weltweit möglichst professionell und umfassend über unser Verlagsprogramm auf dem Laufenden zu halten.

Heutzutage kennen viele nicht mehr das Gefühl, ein gedrucktes, haptisches Buch durchzublättern, zu riechen. Im Zeitalter der sozialen Medien verlernen viele junge Menschen nicht nur das Lesen von Printmedien, sondern kennen auch die damit verbundenen sinnlichen Empfindungen nicht. Somit geht extrem viel Lebensqualität verloren. Wie sehen Sie diese Entwicklungen und was tun Sie als Verlag dagegen?

Ich finde es wunderbar, dass Sie auf die haptischen Eigenschaften des Mediums Buch abheben. Die kann Ihnen kein digitales Derivat bieten! Aber vergessen Sie dabei nicht die Gestaltung eines Buches, die nicht der dynamischen Seitengestaltung eines E-Books unterworfen ist. Jede Seite – oder in unserer Perspektive Doppelseite– ist komponiert! Ob Künstlermonografie/Künstlerbuch oder musealer Bestandskatalog, ein Buch besitzt seinen eigenen Rhythmus, seine Struktur, seine Abfolge, die nur im Durchgehen durch das ganze Buch erfasst werden kann. Wenn auch ein (angeblich nur) analoges Medium, so ist es doch ein eigenständiges Format – neben einer Ausstellung, einem Online-Auftritt, einer Datenbank usw. – und dieses Format kann (zumindest bislang) nichts gleichwertig ersetzen!

Für uns ist ein Buch in der Gestaltung die visuelle Übersetzung des Werkes eines Künstlers oder einer Sammlung oder eines Themas in die zweidimensionale, gedruckte Buchform. Zudem überlegt ein Autor zwei Mal, was er denn niederlegt, es wird nicht „so schnell geschossen“ wie im Internet. Ein Buch bietet zu Ende gedachte Überlegungen, auf die man sich beziehen kann, eben keine Schnellschüsse.

Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass junge Menschen heute nicht mehr lesen würden oder wüssten, was ein Buch ist. Auch junge Menschen, und wer fühlt sich denn nicht als solcher, wissen um das Erlebnis und den Mehrwert „Buch“. Problematischer erscheint mir vielmehr, dass sich immer weniger Menschen für angewandte Kunst interessieren und diese auch sammeln, was für mich heißt, sich mit diesen Kunstwerken im Alltag zu umgeben. Der Kunstmarkt ist vielleicht ein wenig zu sehr in einen Anlagemarkt abgedriftet, was es den angewandten Künsten vermeintlich schwer macht mitzuhalten oder – auf der anderen Seite – den angewandten Künsten die Chance bietet, durch ein echtes, authentisches Auftreten an Glaubwürdigkeit zu gewinnen.

Was wir als Verlag dagegen tun? Nun, wir veröffentlichen weiterhin herausragende Bücher zu unserer Meinung nach dringend beachtenswerten künstlerischen Positionen der sogenannten angewandten Kunst der Gegenwart. Sollte ich an dieser Stelle Bücher anführen? Vermutlich nicht, aber Sie sollten unbedingt „Leidenschaft für Keramik. Sammlung Frank Nievergelt“ zur Kenntnis nehmen, die Publikation einer hervorragenden, mit Bedacht und Kennerblick ausgewählten Sammlung von Künstlerkeramik der letzten 40 Jahre. Oder aber die Publikation „Barbara Cartlidge and Electrum Gallery“, die Dokumentation über die Galeristin und die Galerie schlechthin, die neben lediglich zwei anderen der Schmuckkunst im 20. Jahrhundert zu einer Stimme verholfen hat!

Haben Sie eine Lieblingspublikation?

Ich liebe jede einzelne unserer Publikationen! Bei unseren Keramikpublikationen sind meine Favoriten die beiden Bände „Gefäß / Skulptur“ des GRASSI Museums Leipzig, die die außergewöhnliche Vielfalt und Schönheit der zeitgenössischen Studiokeramik dokumentieren und von Kennern inzwischen als „Bibel der Keramikpublikationen“ bezeichnet werden. Aber auch die wunderschönen Keramik-Monografien über den Österreicher Thomas Bohle, den Norweger Torbjørn Kvasbø oder den Japaner Yasuhisa Kohyama zählen zu meinen „Lieblingsbüchern“. Im Schmuck natürlich die Dokumentation der Schmucksammlung von Helen Drutt „Ornament as Art“, 2007 in Zusammenarbeit mit dem Museum of Fine Arts Houston erschienen und schon längst vergriffen. Aber auch die Schmuckmonografien zu Thomas Gentille, Mari Ishikawa oder Daniel Kruger sprechen mich in ihrer Individualität und Nähe zum Werk der Künstler sehr an. Ganz besonders nahe stehen mir auch die drei Bände „Fired by Passion“ mit über 1.400 Seiten über das frühe Wiener Porzellan von DuPaquier, die 2009 im Metropolitan Museum in New York präsentiert wurden.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre aktuellen Projekte.

Wir arbeiten momentan an über 20 Publikationen. Sie sind alle spannend! So viel verrate ich Ihnen vorab. Dieses Jahr erscheinen noch Bücher z.B. über Edgar Degas, über das zeichnerische Werk von Schmuck-Künstlern, über den russischen Architekten des Konstruktivismus Boris Velikovsky, über japanisches Essen und seine verschiedenen kulturellen Aspekte sowie über Schmuck aus Edelstein und anderen Materialien der letzten zehn Jahre aus Idar-Oberstein. Die Auswahl dieser wenigen Bücher zeigt jetzt schon die große Spannbreite unserer diesjährigen Publikationen auf. Nicht zu vergessen die „Fliegenden Blätter“, eine historische Sammlung von Flugblättern aus dem 15. und 16. Jahrhundert, ein kultureller Schatz erster Güte, den zu publizieren wir für eine sehr große Ehre ansehen. Und das alles in einem kleinen Team von vier fest angestellten ambitionierten Mitarbeitern, die sich alle sehr stark mit der Ausrichtung unseres Verlagsprogramms identifizieren.

Wie sehen Sie die Zukunft von Arnoldsche Art Publishers, Herr Allgaier?

Rosig, was sonst? Teilte ich die immer wieder verbreitete Meinung, das Kunstbuch sei am Ende, müsste ich doch meinen Job an den Nagel hängen! Das gut gemachte, qualitativ hochwertige Kunstbuch hat seinen Platz in unserem Leben und damit eine Zukunft. Kein online zugänglich gemachter, mehr oder weniger fundierter oder auch nur aktueller musealer Bestandskatalog, keine Pinterest-Seite, kein Facebook-Account eines Künstlers, kein mittelmäßig editierter Wikipedia-Eintrag kann Ihnen den Mehrwert eines überlegt, geplant und sorgfältig hergestellten Buches bieten. Und da muss ich nochmal auf die „visuelle Übersetzung“ in Buchform zu sprechen kommen, ein Buch ist komponiert, es eröffnet Ihnen einen unnachahmlichen, nicht anderweitig zu generierenden Zugang zu einem Thema, insbesondere im Bereich des Kunstbuches. Lassen Sie sich darauf ein, genießen und entdecken Sie – es ist ein Weg, Kunst zu entdecken! Das Original sollte man aber immer anschauen, das ist ein nochmal ganz anderes Erlebnis. Für die atemberaubenden Schmuckobjekte von Silvia Weidenbach und die begeisternden Keramikarbeiten von Karl Fulle empfehle ich daher unsere „arnoldsche weekend art gallery“ vom 11. bis 13. November, denn nichts – nicht einmal ein Buch – ersetzt das Original!

Diese Publikationen von ARNOLDSCHE finden Sie bei PAULINA’S FRIENDS im Bikini Berlin:

 

 

 

Auf der Suche nach glücklichen Zufällen…

Auf der Suche nach glücklichen Zufällen…

Wir haben die Produktdesignerin und Installationskünstlerin Carolin Koch in ihrer Werkstatt in Berlin-Rixdorf besucht und spontan Einiges, was so rumlag, fotografisch dokumentiert. Das war ein echtes Wunderkammer-Erlebnis!

Text: Paulina Tsvetanova

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Carolin, Rixdorf ist ja ganz wenigen als Teil Neuköllns bekannt. Was hat Dich hierhin geführt?

Ich habe zuerst ein knappes Jahr in Kreuzberg gewohnt. Weil ich mich räumlich vergrößern wollte, suchte ich eine neue Wohnung. Neukölln fand ich mit seinem rauen Pflaster und der Möglichkeit einer Weiterentwicklung des Bezirks schon immer interessant. Ein lieber Freund hat sich für mich umgehört und über eine frei gewordene Wohnung seiner Hausverwalterin bin ich nach Neukölln gekommen.

Im ersten Leben warst Du Goldschmiedin. Wie wird eine Goldschmiedin zur Künstlerin?

Ui, das ist gar nicht in ein paar Sätzen zu beantworten. Da muss ich ein wenig ausholen. In meinem Leben passiert wohl nichts zufällig. Viele Entscheidungen für irgendetwas sind nicht von Beginn an klar. Ich stand kurz vor dem Abitur und hatte keine Idee, was ich danach machen könnte. Eine Mitschülerin erzählte mir von ihrem Wunsch einer Ausbildung zur Goldschmiedin. Aha, Goldschmiedin, das wär doch vielleicht was, so dachte ich mir. Auf jeden Fall kein Studium, sondern was Handwerkliches. Damals gab es nur wenige Ausbildungsplätze. Eine andere Mitschülerin kannte den Inhaber einer Goldschmiede. Dort habe ich dann auch über 3,5 Jahre meine Ausbildung zur Goldschmiedin gemacht. Das Highlight war der freitägliche Berufsschultag in Köln.

Mein Chef war ein exzellenter Zeichner und Designer. Die Vorstellung, eine eigene Kreation auf Papier in 3D zu realisieren hat mich immer fasziniert. Nach der Lehre habe ich Design mit der Fachrichtung Produktdesign in Münster studiert. Auch das hat seine ganz eigene Geschichte. Wie viel Zeit hast du, Paulina? 😉 Darüber habe ich eine Künstlerin kennen gelernt, die mich einlud, in ihrem Atelier auszustellen. Das war kurz vor meinem Umzug Ende 2008 nach Berlin. Zu diesem Anlass sind die ersten Objektrahmen mit Naturmaterialien entstanden. Tja und in Berlin habe ich mich dann weiterentwickelt. Meine Teilnahme an 48 Stunden Neukölln2009 war wie ein Sprungbrett für mich.

Begreifst Du Dich als Designerin, Künstlerin oder Handwerkerin? Die Grenzen werden ja heutzutage immer fließender. Wie lässt sich das vereinen? Wo fängt Kunst an, wo hört Design auf und umgekehrt?

Es ist eben genau diese Mischung. Ich bin weder nur das eine noch ausschließlich das andere. Die Mischung macht den Reiz aus. Das Designstudium hat mich in der Optik und Handhabbarkeit geschult. Meine künstlerische Seite lässt Ordnungsmuster entstehen, stellt alles auf den Kopf oder/ und kombiniert, was scheinbar nicht zusammen passt. Das handwerkliche Geschick brauche ich für die Umsetzung meiner Ideen. Die Grenze ist fließend. Das sehe ich genau so, wie du und begrüße es sehr. Das eine vom anderen zu separieren, finde ich unsinnig. Ich selbst frage nicht danach, was was ist. Ich mache es, weil es mir so gefällt und vermeide Kategorien. Warum auch? Das ist doch gerade die Freiheit des Künstlers.

Deine Arbeit lebt von kleinen Geschichten – oft skurril-eigensinnig, oft tiefsinnig-verborgen…Deine persönliche Geschichte kurz zusammengefasst?

Etwas kurz zusammen zu fassen gehört nicht gerade zu meinen Stärken, wie du sicher schon bemerkt hast 😉 Okay. Drei Worte, die es auf den Punkt bringen: Zufälle, Zufälle, Zufälle. Schicksal geht auch 😉 Das englische Wort serendipityfür glücklicher Zufalltrifft es am besten. Ich bin eben ein Sonntagskind.

Du hast es geschafft, Dein Hobby, nämlich alltägliche Dinge, die für die meisten unscheinbar bleiben, zu sammeln, mit einer fast wissenschaftlichen Akribie zu erforschen und in einen neuen Kontext zu setzen. Woher kommt das? Gab es eine Kindheitsgeschichte, die es ausgelöst hat?

Interessante Frage. Hat es einen Ursprung? Ja, vielleicht. Als Kind habe ich am liebsten mit Holzklötzchen, Murmeln, Garnrollen oder sonstigen Dingen gespielt, die scheinbar gleich und doch alle unterschiedlich im Detail sind. Ich habe gern sortiert und geordnet. Das spiegelt sich ja auch in meinen Arbeiten wider.

Den Dingen auf den Grund zu gehen, deren Besonderheiten einzufangen, sie zu veredeln. Dein Ansatz hat was von Alchemie. Wo findest Du Dein „Gold“?

Häufig auf der Straße. Mein Blick ist, wie ein Detektor mehr zu Boden, denn geradeaus gerichtet. Manchmal sind es Geschenke von Freunden. Es gibt einen tollen Trödelladen in der Richardstraße. Die haben irgendwie alles, von der Büroklammer bis zum Wohnzimmerschrank. Wenn ich dort nicht finde, was ich eigentlich suche, finde ich was anderes, was mitunter sogar noch besser passt oder mich auf eine andere Idee bringt. Oft finde ich und suche gar nicht 😉

Trägt alles was Du sammelst Gebrauchsspuren?..Ist alles also vintageoder gibt es Werke, die aus neuen Reliquien des Alltagsentstehen?

Daran habe ich mich auch versucht: Neues kaufen und miteinbeziehen. Aber das ist aalglatt und hat nichts erlebt. Zu langweilig. Die Patina des Objekts erzählt ganz ohne Worte und ist viel spannender. Es gibt noch ein Projekt mit Eislöffeln, die ich neu erworben, aber in ihrer Optik verändert habe. So gehts dann auch. Die warten noch darauf, dass ich mich mit ihnen beschäftige.

Deine Werkstatt ist ein wahres Museum. Du lebst im wortwörtlichen Sinne umgeben und absorbiert von Deinen Fundstücken. Brauchst Du da nicht ein wenig Privatsphäre um Energie und Kraft für die nächste Entdeckungsreise zu sammeln?

Unter anderem ist das meine Inspiration. Ich mag keine gänzlich weißen Wände. Ich brauche eine visuelle Fülle für neue Ideen. Die Dinge um mich herum sind ja nicht immer und allesamt präsent. Manches lagert in Kisten oder Sortimentskästen. Für eine aktuelle Ausstellung habe ich aus meinem Fundus alles zusammen getragen, was mich irgendwie angesprochen hat. Nach und nach haben sich so die Arbeiten daraus entwickelt.

Wie wichtig ist Dir Farbe?

Farbe ist mir erst seit Kurzem sehr wichtig geworden. Farbe ist Leben und Energie. Du kannst sie dezent und akzentuiert, gezielt einsetzen oder es richtig krachen lassen. In meinen aktuellen Arbeiten habe ich häufiger mit neonfarbenem Plakatkarton gearbeitet. Neulich, bei 48 Stunden Neukölln2016, habe ich fluoreszierende Farben und Schwarzlicht verwendet. Das hatte eine schöne Wirkung.

Und wie verhält sich die Zweidimensionalität zur Dreidimensionalität in Deinem Werk?

Alles ist möglich und kombinierbar. Es gibt keine Grenzen.

Die Aneinanderreihung von gleichen Gegenständen einer Sorte hat eine kontemplative Komponente. Meditierst Du dabei?

Naja, in einem gewissen Sinne schon. In meiner Arbeit an den Objekten bin ich dann mitunter so vertieft und konzentriert, dass es sicher als eine Form der Meditation durchgehen kann. Es sind Glücksmomente.

Hast Du eine Lieblingsarbeit und warum?

Spontan fällt mir da eine Arbeit mit dem Rosaroten Panther ein. Das schlaue Paulchen ist zwischen einer Frage und der etwas versteckten Antwort platziert. Er fungiert als Fragensteller und ermuntert den Betrachter, die Antwort zu finden. Ich mag diese Art der Interaktion und natürlich das Paulchen.

Gibt es (eine) Arbeit(en), von denen Du Dich nicht trennen magst, da sie eine ganz intime, persönliche Geschichte versinnbildlichen?

Eher nicht. Alles, was ich zusammenstelle darf und soll den Besitzer wechseln. Ich freue mich, wenn sich andere daran freuen.

In diesem Zusammenhang hattest Du eine Ausstellung mit realen Geschichten von unterschiedlichsten Menschen und den entsprechenden Geschichtenträgern im Rahmen von 48 Stunden Neukölln kuratiert…

Kann man Dir einen persönlichen Geschichtenträger bringen und Du erzählst seine Geschichte neu? Also ein persönliches Kunstwerk als Auftrag? Geht es hier eher um Verewigung oder um therapeutische Transformationsarbeit?

2015 lautete das Festivalthema S.O.S. – Kunst rettet die Welt. Ich habe Freunde gebeten, mir von einem persönlichen, für sie einschneidenden Erlebnis zu berichten, das sie mit einem Gegenstand verbinden. Mit der Einbindung des jeweiligen Etwas innerhalb eines humorvollen oder augenzwinkernden Kunstobjekts, wollte ich einen neuen, bestenfalls positiven Kontext zwischen Gegenstand und Geschichtenträger schaffen. Hoffe, es ist mir hier und da gelungen. Das war mein eigenes themenbezogenes Projekt.

Bei einer Auftragsarbeit ist es weniger therapeutisch. Es geht tatsächlich eher um Verewigung. Oder vielleicht doch, wer weiß. Das wäre ein wunderbarer Nebeneffekt. Erhalte ich vom Kunden einen Gegenstand, möchte ich genau wissen, was es damit auf sich hat. Das ist wichtig, um dafür im wahrsten Wortsinn den passenden Rahmen zu schaffen. Meine Fragen an den Auftraggeber werden dann durchaus auch schon mal durch die Familie gereicht, um eine Antwort zu erhalten. Das ist spannend, auch für mich.

Ich erzähle also eine Geschichte nicht neu, sondern ich bringe alles mit ein, was ich zum Gegenstand gehört habe bzw. mir dazu in den Sinn kommt. Da können meine Gedanken dann auch schon mal um drei Ecken gehen. Meine Kunden lassen sich auf dem letzten Stück des Entwurfs auch mal ganz gerne überraschen.

Die Liebe zum Detail charakterisiert Dich als Person. Wie verhält es sich mit dem Gesamtbild siehst Du es im Voraus vor Deinem inneren Auge oder entsteht es erst im Laufe der Arbeit?

Es ist seltener so, dass ich gleich ein Bild vor Augen habe. Es ist ein Prozess. Manches bleibt erstmal nach einer ersten Zusammenstellung liegen. Du hast dann irgendwie im Gefühl, das was noch nicht so ganz passt. Dann lass ich was weg, tausche aus oder füge hinzu. Auch hier ist mir der Zufall ein guter Berater. Die Arbeiten entstehen nicht nur aus dem Bauch heraus. Der Kopf erstellt das Konzept und lässt sich vom Gefühl lotsen.

 

Alle Deine Rahmen produzierst Du selber. Oft entsteht die Kunst erst durch/mit den/dem Rahmen.

Nicht alle Rahmen kann ich selbst herstellen. Ein wunderbarer Tischler mit der Seele eines Designers und Künstlers steht mir zur Seite. Inhalt und Rahmen gehören zu einem Konzept. Ich trenne das nicht.

Neben Deinen Installationen arbeitest Du als Produktdesignerin? Erzähl uns ein wenig über Deine Projekte. Was hast Du bisher am liebsten designed?

Das Designstudium war in vielen Belangen eine wichtige Grundlage für mich. Als reine Produktdesignerin verstehe ich mich allerdings nicht mehr. Wie in einem gut gemixten Cocktail, setze ich alles ein, was ich gelernt habe und für gut befinde. Ein Produkt bzw. ein Projekt, was mich seit meinem Studium begleitet, ist seveninone, eine Kaugummitasche, die ich für Streifenkaugummis entwickelt habe. Wenn du so willst, ist das etwas, woran doch sehr mein Herz hängt. Kaugummis kaue ich seit Ewigkeiten und es war auch mein Diplomthema.

Wie würdest Du Deine Kunden charakterisieren?

Wert(e)schätzend, humorvoll, offen, detailverliebt, herzlich.

Gibt es etwas was Du in Zukunft noch gern umsetzen würdest?

In meiner eigenen gedanklichen Schublade liegt schon seit ein paar Jahren ein Konzept für eine Reise durch alle 16 Bundesländer. Was ich unterwegs finde, mir zugetragen wird oder auf eine andere Art zu mir findet, würde ich in irgendeiner Weise zum jeweiligen Bundesland in Verbindung setzen. Das könnte spannend werden, weil ich ja selbst noch keinen Plan habe, wie das aussehen kann. Planen kann ich letztlich nur die Reiseroute.

Vielen Dank, liebe Carolin, für die Eindrücke und die wunderbare Zeit, die wir in Deinem außergewöhnlichen Lebensraum verbringen durften.

Mehr zu Carolin Kochs Arbeiten gibt es hier.

Proudly made in Bangladesh

Proudly made in Bangladesh

Founded in Brazil by Simone Simonato, SICA label specializes on sourcing discarted fabrics to be redesigned supporting local businesses.

Text: Paulina Tsvetanova

Bangladesh Upcycling made in

The collection is 100 % hand-woven in Bangladesh. SICA supports local artisans by developing manufacturing skills, raising labor standards and employment in decentralized areas.

Based in Berlin since 2012, Simone produces her products in Bangladesh not only to gather the humongous amount of waste generated from the fashion industry but also to support job opportunities in rural communities. She conducts various training workshops to impart the requisite skills to the artisans. This enables the artisans – mostly women – to produce specific and high quality products, which can be sold across the world under the label SICA.

SICA Clipping Up is an up-cycled bag collection. Made of textile waste from discarded fabrics (jersey clippings) generated by the local textile factories. The Clipping Up collection is a fair-trade cooperation specialized on traditional craftsmanship in rural areas.

“The concept of Sica Clipping Up is to bring together traditional handcraft and recycling of industrial textile waste in order to produce unique products that not only make my customers happy but also provide employment and dignity to the workers in rural area of Bangladesh.” says founder Simone Simonato.

We are proud to present SICA in PAULINA’S FRIENDS concept store in Bikini Berlin !

Bangladesh Upcycling made in